Emotionale Stabilität
Ziel: Entwicklung emotionaler Stabilität.
Behandeltes Thema: Schwierigkeiten beim Umgang mit Emotionen und beim Aufrechterhalten des emotionalen Gleichgewichts angesichts von Konflikten, Stress und negativen Wahrnehmungen.
Bedeutung für die psychische Gesundheit: Emotionale Instabilität kann zu impulsiven Reaktionen, zwischenmenschlichen Konflikten und vermindertem Selbstvertrauen führen. Aktivitäten, die jungen Menschen helfen, ihre Emotionen zu regulieren und ein positives Selbstbild aufzubauen, sind für ihr psychisches und zwischenmenschliches Wohlbefinden unerlässlich.
Beabsichtigte Veränderung: Verbesserung der emotionalen Kontrolle, Stärkung der Fähigkeit, in schwierigen Situationen Stabilität zu bewahren, und Förderung eines gesunden und ausgeglichenen Selbstbildes.
Kontext der Pilotdurchführung
Die Aktivität wurde im Rahmen des MEET-Projekts am Theoretischen Gymnasium „Meșterul Manole“ in der ländlichen Gemeinde Sălcuța in der Republik Moldau durchgeführt, einer Partnerschule der Staatlichen Pädagogischen Universität Ion Creangă in Chișinău. Die Aktivität wurde zweimal mit zwei verschiedenen Gruppen junger Teilnehmer:innen durchgeführt, die unterschiedliche Altersstufen repräsentierten, darunter Schüler:innen der unteren und oberen Sekundarstufe. Beide Sitzungen folgten dem gleichen Ablauf der Aktivität, sodass die Moderator:innen beobachten konnten, wie Teilnehmer:innen unterschiedlichen Alters mit emotionalem Ausdruck und Reflexion umgingen. Die Sitzungen wurden von geschulten Fachkräften moderiert, die das Tempo der Diskussionen und die Tiefe der Reflexion an die Entwicklungsmerkmale der jeweiligen Gruppe anpassten.
Theoretischer Hintergrund
Emotionale Stabilität ist ein grundlegendes Konzept für psychische Gesundheit und individuelles Wohlbefinden. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit, Emotionen auf ausgewogene Weise zu steuern und auszudrücken, selbst in Stress- oder Konfliktsituationen. Eine Person mit emotionaler Stabilität ist in der Lage, Herausforderungen zu bewältigen, ohne negativen Impulsen nachzugeben, und reguliert ihre Reaktionen, um ein positives inneres Klima aufrechtzuerhalten. Aktivitäten, die emotionale Stabilität fördern, sind für junge Menschen unerlässlich, insbesondere für diejenigen, die mit emotionalen Schwachstellen, zwischenmenschlichen Konflikten oder mangelnder Selbstwahrnehmung zu kämpfen haben. Die „4 Squares“-Übung hilft den Teilnehmenden, sich selbst einzuschätzen, zu verstehen, wie sie in verschiedenen Kontexten wahrgenommen werden, und wie sie ihr Denken und ihre Reaktionen anpassen können, um ein gesundes emotionales Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Zielgruppe
- Alter: 12–30 Jahre (auch für Erwachsene anpassbar)
- Profil: Schüler:innen, NEET-Jugendliche, Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen, vielfältige Gruppen (städtisch/ländlich, Minderheiten)
- Kontext: nicht-formale oder formale Bildungsumgebungen (Bildungsaktivitäten, Workshops, Schulungen)
Anwendungsbereich
Ort: Schule, NGO, Jugendzentren, Gemeindezentren usw.
Behandelte Kompetenzbereiche und Dimensionen:
- Sozio-emotional: Selbstwahrnehmung, Empathie, emotionale Selbstregulierung;
- Beziehungsbezogene: Verbesserung der Kommunikation und des Konfliktmanagements;
- Selbstregulierung: Impulskontrolle, Umgang mit Wut und Frustration;
- Bewusstsein: Verständnis dafür, wie Perspektiven Wahrnehmungen und Reaktionen beeinflussen; positives Denken, Selbstwirksamkeit.
- Persönliche Entwicklung: Selbstreflexion, Akzeptanz emotionaler Vielfalt.
Beschreibung der Aktivität – Schritt für Schritt
Zeichnen der 4 Quadrate: Die Teilnehmenden werden eingeladen, über ihre persönlichen Eigenschaften und emotionalen Reaktionen in verschiedenen Situationen nachzudenken. Sie werden dazu angeregt, über ihre positiven persönlichen Eigenschaften, die sie mögen, sowie über die negativen Eigenschaften, die sie nicht mögen, nachzudenken.
Schritt 1: Zeichnen der Quadrate
Die/der Moderator:in erklärt den Teilnehmenden, wie sie ein großes Quadrat auf ein Blatt Papier zeichnen und es in vier gleich große Quadrate (nummeriert mit 1, 2, 3 und 4) unterteilen, beantwortet Fragen und gibt bei Bedarf Erläuterungen. Die Teilnehmenden hören der/dem Moderator:in zu und zeichnen die Quadrate gemäß den Anweisungen.
Schritt 2: Persönliche Stärken und Schwächen identifizieren
Die Fachkraft verteilt Papierbögen und Malutensilien an die Teilnehmer und bittet sie, in Feld 1 fünf Eigenschaften aufzuschreiben, die sie an sich schätzen, und in Feld 3 fünf Schwächen oder Gewohnheiten, die sie an sich nicht mögen. Die Fachkraft gibt dann Beispiele, um die Teilnehmer:innen anzuleiten (z. B. „Stärke: Ich bin geduldig“ oder „Schwäche: Ich bin zu impulsiv“). Die Fachkraft zeigt Geduld und Einfühlungsvermögen und stellt sicher, dass alle Teilnehmer:innen die Aufgabe verstehen. Die Teilnehmer:innen füllen die Felder mit positiven und negativen Eigenschaften aus.
Schritt 3: Negative Eigenschaften in positive Begriffe umformulieren
Die/der Moderator:in fordert die Teilnehmenden auf, die in Feld 3 notierten negativen Eigenschaften in positive Begriffe umzuformulieren. Beispielsweise kann „zu impulsiv“ umformuliert werden in „in Krisensituationen schnell reagieren können“. Die/der Moderator:in ermutigt die Teilnehmer:innen, darüber nachzudenken, wie sie von jemandem beschrieben würden, der ihnen sehr am Herzen liegt. Die Teilnehmer:innen schreiben die neuen Formulierungen in Feld 2.
Schritt 4: Umformulierung positiver Eigenschaften in negative Begriffe
Die/der Moderator:in fordert die Teilnehmenden auf, die in Feld 3 notierten negativen Eigenschaften in positive Begriffe umzuformulieren. Beispielsweise kann „zu impulsiv“ umformuliert werden in „in Krisensituationen schnell reagieren können“.
Die/der Moderator:in ermutigt die Teilnehmer:innen, darüber nachzudenken, wie sie von jemandem beschrieben würden, der ihnen sehr am Herzen liegt. Die Teilnehmer:innen schreiben die neuen Formulierungen in Feld 2.
Step 5: Personal reflection and group discussion
Der/die Moderator:in bittet die Teilnehmer:innen, die Felder 3 und 4 abzudecken und die Felder 1 und 2 zu betrachten. Der/die Moderator:in leitet eine kurze Diskussion ein, indem er fragt: Welchen Eindruck habt ihr davon, wie ihr wahrgenommen werdet? Danach werden die Teilnehmer:innen gebeten, die Felder 1 und 2 abzudecken und die Felder 3 und 4 zu analysieren. Der/die Moderator:in fragt dann: Was bedeutet es, dass dieselben Eigenschaften je nach Perspektive unterschiedlich gesehen werden? Der/die Moderator:in moderiert eine Diskussion darüber, wie Wahrnehmungen die Art und Weise beeinflussen, wie wir kommunizieren, und wie wir in schwierigen Situationen emotionale Stabilität bewahren können. Die Teilnehmenden beteiligen sich an der Diskussion, tauschen ihre Meinungen über die beobachteten Wahrnehmungsverschiebungen aus, reflektieren ihre Erfahrungen und teilen Ideen oder Schlussfolgerungen mit.
Benötigte Materialien: Papierbögen, Bleistifte oder Filzstifte zum Zeichnen.
Mögliche Anpassungen:
- Kleinere oder größere Gruppen: Die Übung funktioniert auf die gleiche Weise; in größeren Gruppen kann es jedoch hilfreich sein, die Teilnehmenden für Diskussionen in kleinere Gruppen aufzuteilen.
- Verschiedene Altersgruppen: Die Übung lässt sich für Kinder oder Jugendliche anpassen, indem die Sprache vereinfacht und anschaulichere Beispiele verwendet werden.
- Unterschiedliche Grade der Gefährdung:
- Für besonders schutzbedürftige Gruppen kann es hilfreich sein, mehr Zeit für persönliche Reflexion einzuplanen.
- Bei jungen Menschen mit komplexeren Schwierigkeiten ist es wichtig, auf aufkommende Emotionen zu achten und Diskussionen einfühlsam zu moderieren.
Wirkungsbewertung der Aktivität
| Indikator | Bewertungsmethode |
|---|---|
| Verbesserung des Selbstbewusstseins und der Akzeptanz der eigenen Eigenschaften | Selbstbewertungsbogen vor/nach der Aktivität (z. B. „Ich bin mir bewusster, wie andere mich wahrnehmen“ – Skala 1–5). |
| Offenheit, die eigenen Schwächen aus einer positiven Perspektive zu betrachten | Mündliches Feedback während der Gruppendiskussionen. |
Während der Pilotaktivität beobachtete Reaktionen
Die Aktivität löste unterschiedliche Reaktionen aus, die den Grad der Selbstwahrnehmung und der emotionalen Regulierung der Teilnehmenden widerspiegelten. In beiden Gruppen gingen viele Schüler:innen neugierig an die Aufgabe heran, obwohl einige zunächst zögerten, als sie aufgefordert wurden, über ihre persönlichen Eigenschaften und Schwächen nachzudenken. Für einige Teilnehmende war die Übung anregend und regte zum Nachdenken an, während andere mehr Zeit brauchten, um ihre eigenen Eigenschaften offen zu analysieren. Es wurden Unterschiede zwischen Teilnehmer:innen mit unterschiedlichen emotionalen und psychologischen Profilen beobachtet. Einige Jugendliche zeigten ein hohes Maß an Selbstbewusstsein und waren in der Lage, ihre Eigenschaften mühelos zu identifizieren und neu zu formulieren, während es anderen schwerer fiel, ihre Schwächen aus einer positiven Perspektive zu betrachten oder ihre Stärken kritisch neu zu interpretieren. Auch zwischen Burschen und Mädchen waren gewisse Unterschiede festzustellen. In vielen Fällen gingen Mädchen schneller auf Reflexionsaufgaben ein und waren eher bereit, ihre Gedanken und persönlichen Erkenntnisse mitzuteilen. Burschen gingen die Aktivität anfangs manchmal mit Humor oder kurzen Antworten an, beteiligten sich aber im Laufe der Diskussion zunehmend. Teilnehmende aus der älteren Gruppe neigten dazu, komplexere Überlegungen dazu anzustellen, wie Wahrnehmungen die emotionale Stabilität beeinflussen, während jüngere Teilnehmende direkter und konkreter antworteten und sich auf bestimmte Eigenschaften und Beispiele aus ihrem Alltag konzentrierten.
Risiken und Warnhinweise:
- Vermeiden Sie Kritik oder Spott gegenüber den Teilnehmenden
- Die Teilnahme an den Diskussionen ist freiwillig
- Die Aktivität zielt nicht darauf ab, Traumata zu behandeln, sondern die Entwicklung emotionaler Stabilität zu fördern