Ampel
Zweck: Dieses Instrument ermöglicht es den Teilnehmenden, in einer Gruppe auf einfache Weise zu zeigen, wie sie zu einer bestimmten Frage oder einem bestimmten Thema stehen. Da dieses Instrument mit Bildern, Farben oder einfach durch Gesten (z. B. Daumen hoch oder Daumen runter) eingesetzt werden kann, ist es sehr leicht zugänglich und eignet sich gut als Eisbrecher. Ursprünglich wurde das Instrument als Eisbrecher im Rahmen eines Programms zur finanziellen Bildung entwickelt. Durch diese Übung können junge Menschen schnell und ohne Wertung erkennen, wie ihre eigenen Ansichten im Vergleich zu denen ihrer Altersgenossen stehen. Nach jeder Fragerunde können die Moderator:innen Raum für eine Diskussion schaffen. Dies ermöglicht es den jungen Teilnehmenden, Ideen auszutauschen, ihr Verständnis für ein bestimmtes Thema zu erweitern und ihre Standpunkte zu verfeinern.
Erfahrungen aus dem rumänischen Pilotprojekt: Das rumänische Pilotprojekt unterstrich den Wert des Tools nicht nur als Eisbrecher, sondern auch als sichere Kommunikationsmethode in Gruppen, in denen die Teilnehmenden möglicherweise zögern, von Anfang an offen zu sprechen. Es erwies sich als besonders nützlich, um einen niederschwelligen Einstieg in die Diskussion zu schaffen, emotionale Sicherheit zu fördern und den Moderator:innen zu helfen, schnell zu verstehen, wie die Teilnehmenden zu einem Thema stehen.
Behandeltes Thema: Ursprünglich Finanzkompetenz. Es lässt sich jedoch an jedes Thema anpassen, darunter: Prävention von Mobbing und Gewalt, Stressbewältigung und Entspannung sowie psychische Gesundheit
Relevanz für die psychische Gesundheit: Die Teilnahme an der Übung selbst kann dazu beitragen, ein Zugehörigkeitsgefühl zu Gleichaltrigen zu fördern. Denn sie kann den Teilnehmenden helfen zu erkennen, wie ihre eigenen Sorgen, Ängste oder Wahrnehmungen mit denen anderer zusammenhängen. Oft stellen die Teilnehmenden fest, dass andere ihre Sorgen teilen, was ihnen helfen kann, sich weniger isoliert zu fühlen. Darüber hinaus kann das Erlernen von Wissen über eine bestimmte Herausforderung oder ein bestimmtes Thema (z. B. Finanzen, Prävention von Mobbing usw.) die Resilienz der Teilnehmenden stärken.
Beabsichtigte Veränderung: Die Teilnehmer:innen fühlen sich offen, entspannt und bereit, an einem tiefergehenden Gespräch über ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Herausforderung teilzunehmen.
Erfahrungen aus dem rumänischen Pilotprojekt: Im rumänischen Pilotprojekt war die angestrebte Veränderung umfassender als die bloße Vorbereitung der Teilnehmenden auf eine Diskussion. Das Tool unterstützte junge Menschen dabei, Meinungen und Emotionen auf sicherere Weise und unter geringerem Druck auszudrücken, insbesondere wenn die verbale Beteiligung schwierig oder einschüchternd empfunden wurde. Es half den Teilnehmenden zu erfahren, dass ihre Ansichten auch ohne zu sprechen zum Ausdruck gebracht und anerkannt werden konnten, was das Selbstvertrauen stärkte, Leistungsangst verringerte und eine offenere und respektvollere Kommunikation innerhalb der Gruppe förderte. Die Aktivität unterstützte die Teilnehmenden zudem dabei, sich bewusster zu werden, wie klare Ausdrucksweise und sorgfältig formulierte Fragen das Verständnis beeinflussen und Fehlinterpretationen reduzieren.
Kontext der Pilotdurchführung
Dieses Instrument wurde im Rahmen des MEET-Projekts in drei Ländern getestet. Dazu gehörten Österreich, Slowenien und Rumänien. Der österreichische Partner JIT arbeitete mit 12- bis 23-jährigen Jugendlichen im Rahmen von offener Jugendarbeit und Streetwork. Die Ziele des Pilotprojekts waren die Stärkung des Selbstwertgefühls der Teilnehmenden, die Vermittlung eines gesunden Körperbildes, die Sensibilisierung für Mobbing, der Umgang mit Stress und Wut sowie die Förderung von Empathie und emotionaler Sicherheit. Das slowenische Pilotprojekt wurde mit 13- bis 14-jährigen Schüler:innen in Grundschulen (9.Klasse) durchgeführt. Der Schwerpunkt des Pilotprojekts in Slowenien lag auf der Entwicklung emotionaler Kompetenz und Empathie, dem Umgang mit Stress und Ängsten, der kritischen Reflexion über den Einfluss der Medien und das Körperbild sowie der Verbesserung der Kommunikation und der Beziehungen zu Gleichaltrigen.
Erfahrungen aus dem rumänischen Pilotprojekt: Das Ampel-Tool wurde auch in Rumänien in zwei verschiedenen Bildungskontexten getestet: am CSEI „Christiana“ in Bocșa, in einem inklusiven Bildungsumfeld mit Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, und am Mathias-Hammer-Gymnasium in Anina mit Schüler:innen im Alter von etwa 14 bis 16 Jahren. An den Sitzungen nahmen Gruppen von 15 und 24 Teilnehmer:innen teil; sie wurden vor Ort von einem zugelassenen Psychologen mit Unterstützung von Projektteammitgliedern geleitet. In beiden rumänischen Sitzungen stieß das Tool auf großes Interesse und wurde als einfach, unterhaltsam und sicher in der Anwendung empfunden. Die Teilnehmer:innen schätzten die Möglichkeit, Fragen mithilfe farbiger Karten zu beantworten, anstatt zu sprechen, insbesondere wenn die Fragen eher persönlicher Natur waren. Die Moderator:innen stellten fest, dass das nonverbale Format den Druck verringerte, die Beteiligung zurückhaltenderer Schüler förderte und ein starkes Gefühl von Sicherheit und Offenheit in der Gruppe schuf. Das rumänische Pilotprojekt zeigte zudem, dass das Tool besonders in gemischten oder schutzbedürftigen Gruppen, einschließlich Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, wirksam ist, da es eine gleichberechtigte Teilnahme ermöglicht, ohne dass eine unmittelbare verbale Selbstoffenbarung erforderlich ist. Gleichzeitig wollten einige Teilnehmer:innen nach der Abstimmung mündlich näher darauf eingehen, was zeigte, dass die Aktivität nicht nur als Eisbrecher, sondern auch als Brücke zu einer tieferen Gruppendiskussion dienen kann, wenn sie flexibel moderiert wird. In allen drei Ländern wurde das Ampel-Tool als emotionale Check-ins zwischen den Sitzungen eingesetzt, während die slowenischen und österreichischen Teams es zudem nutzten, um Meinungen zu Tabuthemen auszutauschen. Es erwies sich als besonders wertvoll, um den Teilnehmenden zu ermöglichen, ihre Ansichten ohne den unmittelbaren Einfluss von Gruppendynamik oder Gruppenzwang zu äußern. Indem es den Einzelnen ermöglichte, zunächst nonverbal zu reagieren, schuf das Tool einen sichereren Einstieg in die Diskussion, förderte ehrlichere Antworten und unterstützte die Einbeziehung zurückhaltenderer Teilnehmender. Die Moderator:innen empfanden das Tool als nützlichen, visuellen Gesprächsaufhänger. Es wurde auch als nützliches Instrument angesehen, um Selbstreflexion anzuregen und in kleinen Gruppen Selbstvertrauen und Offenheit aufzubauen. Das Tool erwies sich als besonders geeignet für Gruppen, in denen Teilnehmer mit geringem Selbstvertrauen im verbalen Ausdruck, sozialen Ängsten oder sonderpädagogischem Förderbedarf vertreten waren. Es war sowohl in inklusiven Schulumgebungen als auch in regulären Gymnasien wirksam, insbesondere dort, wo die Moderator:innen darauf abzielten, einen sicheren Einstieg in die Diskussion zu schaffen und die Teilnahme von Schülern zu fördern, die andernfalls möglicherweise schweigen würden.
Zielgruppe
- Alter: ab 12 Jahren
- Profil: alle Arten von Jugendlichen.
- Kontext: nicht-formale oder formale Bildung, kann in kleinen und großen Gruppen durchgeführt werden
- Dauer: 20–40 Minuten
Anwendungsbereich
Ort: Schule, NGO, Jugendzentren, Gemeindezentren, Streetwork usw. Es sollte ausreichend Platz für Bewegung vorhanden sein.
Behandelte Kompetenzbereiche und Dimensionen:
- Sozio-emotionale Kompetenzen: Empathie und Verständnis für Stress- und Wutmechanismen
- Beziehungsfähigkeiten: offene Kommunikation, Abbau von Vorurteilen
- Selbstregulierungsfähigkeiten: emotionale Selbstregulierung
- Bewusstseinskompetenzen: Bewusstsein für die eigenen Emotionen und Möglichkeiten, diese zu regulieren
- Partizipations- und Ausdruckskompetenzen: Fähigkeit, die eigene Meinung unabhängig und ohne unmittelbaren Einfluss durch Gleichaltrige zu äußern sowie sich auf sichere und respektvolle Weise an Gruppendiskussionen zu beteiligen.
Rumänische Pilotphase: Die Erfahrungen in Rumänien bestätigten, dass das Instrument besonders zu Beginn von Sitzungen, in denen sensible oder persönliche Themen behandelt werden, sowie während der Sitzung als Methode zur schnellen Bestandsaufnahme oder Reflexion nützlich ist. Es eignet sich gut für Kontexte, in denen Moderator:innen eine leicht zugängliche, strukturierte Methode benötigen, um Meinungen, emotionales Wohlbefinden oder Gruppentendenzen einzuschätzen, ohne die Teilnehmenden unter Druck zu setzen, sich sofort erklären zu müssen.
Beschreibung der Aktivität – Schritt für Schritt
Schritt 1: Vorbereitung
Die Moderator:innen sollten ein Thema auswählen und Aussagen vorbereiten, über die die jugendlichen Teilnehmer:innen abstimmen können (stimme zu, weder zustimmen noch ablehnen, stimme nicht zu). Bei der Themenauswahl besteht große Flexibilität. Beispiele sind:
Aussagen / Fragen zu Körperpositivität / Mobbing:
- Wenn jemand gemobbt wird, hat diese Person es verdient.
- Wenn jemand gemobbt wird, stelle ich mich auf die Seite der gemobbten Person.
- Wenn jemand übergewichtig ist, ist es in Ordnung, diese Person als dick zu bezeichnen.
- Übergewichtige Menschen sind faul.
- Was schön ist, ist für alle Menschen gleich.
- Übergewichtige Menschen sind selbst schuld an ihrer Situation.
- Man verliebt sich in das Aussehen einer Person – alles andere spielt keine Rolle.
- Im Schwimmbad spielt es keine Rolle, wie man aussieht – Hauptsache, man hat Spaß.
- Wer andere mobbt, verdient einen Schlag ins Gesicht.
- Ein Mann ohne Muskeln ist kein richtiger Mann.
- Wer schlank sein will, kann es schaffen – wie, spielt keine Rolle.
- Ich habe keine Vorurteile gegenüber schlanken Menschen.
- Alle Mobber:innen sind schlechte Menschen.
- Wer andere mobbt, ist selbst schwach.
Die Moderator:innen verteilen entweder Ampeln als Requisiten oder lassen die Teilnehmer:innen ihre eigenen basteln. Wenn keine Materialien verfügbar sind, können die Teilnehmer:innen ihre Daumen nutzen, um Zustimmung oder Ablehnung auszudrücken (Beispiele siehe Anhang). In größeren Gruppen sollten die Moderator:innen auch vorsehen, mehrere kleine Gruppen zu bilden und entscheiden, wer zu welcher Gruppe gehört. Wenn möglich, ist es gut, darauf zu achten, dass die Gruppen vielfältig sind.
Erfahrungen aus dem slowenischen Pilotprojekt: Während der Sitzung zum Thema Medienbeeinflussung in Slowenien reagierten die Teilnehmer:innen auf Aussagen zur Unterscheidung zwischen KI-generierten und echten Inhalten (z. B. „Ich kann fast immer erkennen, ob etwas KI-generiert ist“ oder „Was ich online sehe, ist meist realistisch“). Diese erste Abstimmungsphase förderte kritisches Denken und deckte die Annahmen der Teilnehmer:innen auf. Darauf folgte ein Video, das eine Mischung aus KI-generierten und echten Bildern zeigte, wodurch die Teilnehmenden ihre Antworten mit der Realität vergleichen und mögliche Fehleinschätzungen erkennen konnten. Dieser Prozess vertiefte ihr Verständnis dafür, wie leicht digitale Inhalte manipuliert werden können und wie sie sowohl die Wahrnehmung als auch emotionale Reaktionen beeinflussen. Im Abschnitt zum Körperbild wurden den Teilnehmenden eine Reihe von Bildern gezeigt, und sie wurden gebeten, mithilfe der Ampelmethode anzugeben, ob sie den jeweiligen Körper als „ideal“ empfanden oder nicht. Nach der Abstimmung wurde offenbart, dass alle vorgestellten Körpertypen zu verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte als „ideal“ galten. Dies führte zu einem intensiven Moment der Reflexion und half den Teilnehmenden zu verstehen, wie Schönheitsideale sozial konstruiert sind, sich ständig ändern und oft unrealistisch sind. Die Aktivität beinhaltete auch eine emotionale Dimension, da die Teilnehmenden dazu angeregt wurden, darüber nachzudenken, welche Gefühle diese Bilder und Diskussionen bei ihnen auslösten (z. B. Druck, Unsicherheit, Selbstvertrauen oder Verwirrung). Dies unterstützte die Verbindung zwischen kognitivem Verständnis und emotionaler Wahrnehmung und förderte gleichzeitig Empathie und Offenheit innerhalb der Gruppe.
Schritt 2: Einführung in die Aktivität
Die/die/der Moderator:in:in bildet mit den Teilnehmenden einen Kreis. Die Aktivität kann im Sitzen oder im Stehen durchgeführt werden. Alle Teilnehmenden sollten sich gegenseitig sehen können. Die/die/der Moderator:in:in stellt die Aktivität vor. Falls keine Materialien zur Verfügung stehen, demonstriert die/die/der Moderator:in:in, wie die Teilnehmenden ihren Daumen einsetzen können (Beispiele siehe Anhang). An dieser Stelle erläutert die/die/der Moderator:in:in auch einige Grundregeln für die Interaktion. Beispielsweise erklärt die/die/der Moderator:in:in, dass es keine richtigen oder falschen Antworten gibt. Der Zweck der Aktivität besteht darin, die Sichtweisen anderer kennenzulernen und über die eigenen nachzudenken.
Schritt 3: Durchführung der Aktivität
Die/die/der Moderator:in:in liest jede Frage oder Aussage vor. Nach jeder Frage stimmen alle Teilnehmenden gleichzeitig ab, indem sie die Ampel mit der entsprechenden Farbe hochhalten:
- Grün: JA / Zustimmung / dafür
- Gelb: VIELLEICHT / unentschieden / unsicher
- Rot: NEIN / Ablehnung / dagegen
Nach jeder Abstimmung können die Teilnehmenden ihre Entscheidungen erläutern und kurze Diskussionen führen. Dabei sollte die/die/der Moderator:in:in darauf achten, dass jeder zu Wort kommt. Es ist auch wichtig, dafür zu sorgen, dass die Atmosphäre ruhig und entspannt bleibt. Der Zweck dieser Aktivität besteht darin, Ideen anzuregen, die zu einem späteren Zeitpunkt vertieft diskutiert werden können. Außerdem soll sie Verbindungen zwischen den Teilnehmenden herstellen und das „Eis brechen“.
Erfahrungen aus dem rumänischen Pilotprojekt: Im rumänischen Pilotprojekt stellten die Moderator:innen fest, dass die Aktivität am effektivsten war, wenn die Teilnehmenden zunächst nonverbal abstimmen durften und erst danach auf freiwilliger Basis dazu eingeladen wurden, ihre Antworten zu erläutern. Diese Abfolge bewahrte den entspannten Charakter des Instruments und schuf gleichzeitig Raum für Dialog. Es wurde auch beobachtet, dass sich die Teilnehmenden selbstbewusster einbrachten, wenn die/die/der Moderator:in:in ein ruhiges Tempo beibehielt, klare und direkte Formulierungen verwendete und übermäßig komplexe oder negativ formulierte Fragen vermied.
Schritt 4: Fazit
Sobald die Teilnehmenden über jede Aussage oder Frage abgestimmt haben, fasst die/der Moderator:in die wichtigsten Diskussionspunkte zusammen und geht zu einer anderen Aktivität über. Die Dauer der Aktivität kann variiert werden, und die Aktivität kann bei Bedarf wiederholt werden. Wenn die Aktivität jedoch zu lang gestaltet oder zu häufig eingesetzt wird, könnte dies dazu führen, dass die Teilnehmenden das Interesse verlieren, da der „neuartige“ oder „unterhaltsame“ Aspekt der Ampelmethode nachlässt.
Benötigte Materialien:
- Es können Requisiten verwendet werden, die die Ampeln darstellen. Diese können auch aus verschiedenfarbigen Papieren (grün, gelb, rot) bestehen. Die Teilnehmenden können jedoch auch einfach ihre Daumen verwenden, um Zustimmung oder Ablehnung zu einer Aussage der/des Moderator:in zu signalisieren. (Beispiele siehe Anhang).
- Aussagen oder Diskussionspunkte, denen die Teilnehmenden zustimmen, weder zustimmen noch widersprechen oder widersprechen können.
Wirkungsbewertung der Aktivität
Interviews mit den PilotModerator:innen im MEET-Projekt zeigten, dass die Ampel als Einführungsaktivität weithin als effektiver und leicht zugänglicher Eisbrecher wahrgenommen wurde. Das nonverbale, farbenbasierte Format ermöglichte es den Teilnehmenden, Meinungen oder Gefühlszustände ohne den Druck einer verbalen Erklärung auszudrücken, was die Moderator:innen in neu gebildeten Gruppen oder Kontexten, die von anfänglicher Zurückhaltung geprägt waren, als besonders wertvoll empfanden. Über den Einsatz als Eisbrecher hinaus wurde Ampel auch als wiederkehrendes Check-in- oder Reflexionsinstrument während Sitzungen zu Mobbing, Stress, Gruppennormen oder Entscheidungsfindung eingesetzt, wodurch die Moderator:innen die Gruppendynamik und das individuelle Wohlbefinden der Teilnehmenden schnell einschätzen konnten. Das Instrument lässt sich zudem an die Reaktion der Gruppe anpassen, was dazu beiträgt, eine positive Atmosphäre aufrechtzuerhalten.
Rumänische Perspektive: Das rumänische Pilotprojekt bestätigte, dass die Ampel-Methode ein wirksames Einführungs- und Reflexionsinstrument ist, insbesondere für Gruppen, die ein Gefühl der Sicherheit benötigen, bevor sie sich auf eine offene Diskussion einlassen. Die Moderator:innen beobachteten in beiden Sitzungen, in denen das Instrument eingesetzt wurde, ein hohes Maß an Engagement. Die Teilnehmenden berichteten, dass sich die Aktivität einfach und angenehm anfühlte, und mehrere äußerten den Wunsch, über die geplante Zeit hinaus fortzufahren. Die Methode war besonders wertvoll, um den Kommunikationsdruck zu verringern: Die Teilnehmenden konnten antworten, ohne zu sprechen, was es ihnen erleichterte, ihre Ansichten zu persönlichen Themen zu äußern, und dazu beitrug, Leistungsangst abzubauen. Gleichzeitig zeigte das Pilotprojekt, dass die Diskussionskomponente von einer flexiblen Moderation profitiert. Eine kurze, optionale Zeit für mündliche Erläuterungen nach jeder Runde trug dazu bei, Struktur und Spontaneität in Einklang zu bringen, während die Aktivität zugänglich und inklusiv blieb. Die rumänische Erfahrung machte zudem deutlich, dass klar formulierte Aussagen unerlässlich sind, da negativ formulierte oder verwirrende Fragen den Teilnehmer:innen zusätzliche Aufmerksamkeit abverlangten.
Reflexion der Moderation:
Erfahrungen aus dem rumänischen Pilotprojekt: Die Moderator:innen stellten fest, dass die Atmosphäre während der gesamten Aktivität ruhig und positiv blieb und dass sich die Teilnehmenden im Laufe der Sitzung zunehmend wohler fühlten. Das nonverbale Format förderte die Inklusion und verringerte Hemmungen, insbesondere bei Schülern, die sich beim Sprechen vor Gleichaltrigen weniger sicher fühlten. Die Moderator:innen stellten zudem fest, dass das Vorleben von Offenheit durch ihre eigene Teilnahme an der Aktivität dazu beitrug, das Vertrauen zu stärken und ein authentischeres Engagement der Gruppe zu fördern.
Erfahrungen aus dem slowenischen Pilotprojekt: Das Engagement war insgesamt hoch, insbesondere aufgrund der Einfachheit und Interaktivität der „Ampel“-Methode. Das nonverbale Format (das Hochhalten farbiger Karten) ermöglichte es allen Teilnehmenden, gleichzeitig mitzuwirken, auch jenen, die sich normalerweise weniger zu Wort melden. Das Engagement stieg weiter an, als auf die Aktivität eine Diskussion folgte, insbesondere in Momenten, in denen die Teilnehmenden Diskrepanzen zwischen ihren Annahmen und der Realität erkannten (z. B. KI vs. reale Inhalte, sich wandelnde Körperideale). Bilder und Videos, die wir mit der „Ampel“-Aktivität kombinierten, machten den Prozess für die Schüler:innen interaktiver und interessanter. Die Aktivität trug zu einer sicheren und inklusiven Atmosphäre bei. Der Einsatz visueller Elemente und die niedrige Teilnahmeschwelle verringerten den Druck auf den Einzelnen und schufen ein Gefühl der gemeinsamen Erfahrung innerhalb der Gruppe. Gleichzeitig half dies dabei, einen respektvollen Raum zu schaffen, in dem unterschiedliche Meinungen ohne sofortige Beurteilung geäußert werden konnten. In späteren Phasen der Aktivität wurde die Atmosphäre offener und reflektierter, wobei die Teilnehmenden eine größere Bereitschaft zeigten, ihre Gedanken mitzuteilen.
Bandbreite emotionaler Reaktionen:
Es wurde eine breite Bandbreite emotionaler Reaktionen beobachtet. Dazu gehörten Neugier und Belustigung (insbesondere während der KI-Erkennungsaktivität), Überraschung und Ungläubigkeit, als die Teilnehmenden ihre Fehleinschätzungen erkannten, sowie eher reflektierende Emotionen wie Unsicherheit oder Erleichterung während der Diskussionen über das Körperbild. Die Aktivität löste auch Momente der Erkenntnis aus, in denen die Teilnehmenden den Inhalt mit ihren eigenen Erfahrungen in Verbindung brachten. Insgesamt förderten die emotionalen Reaktionen eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themen und schufen Raum für eine sinnvolle Diskussion.
Erfahrungen aus dem österreichischen Pilotprojekt: Die Trainer:innen nahmen bei den Jugendlichen ein hohes Maß an Motivation wahr. Durch die aktive Beteiligung eignete sich die Methode gut dazu, ein Stimmungsbild innerhalb der Gruppe zu schaffen. Mithilfe der Karten in den drei verschiedenen Kategorien war es zudem möglich, die Meinungen in der Gruppe visuell festzuhalten, was das Ergebnis weiter untermauerte; dennoch musste sich niemand zu Wort melden, um teilzunehmen. Eine Stärke der Methode ist ihre Einfachheit und gleichzeitig ihre Ausdruckskraft sowie die Einbeziehung sowohl lauter und aktiver als auch ruhigerer, introvertierterer Teilnehmender.
Während der Pilotaktivität beobachtete Reaktionen:
Erfahrungen aus dem rumänischen Pilotprojekt: Die Teilnehmer:innen des rumänischen Pilotprojekts zeigten großes Engagement und reagierten sehr positiv auf die „Ampel“-Methode. Viele beschrieben sie als einfach, unterhaltsam und angenehm in der Anwendung. In beiden Pilotumgebungen schätzten die Teilnehmer:innen, dass sie Fragen beantworten konnten, ohne sprechen zu müssen, was die Aktivität sicherer machte, insbesondere wenn die Fragen persönlichere Erfahrungen oder Meinungen betrafen. Im inklusiven Bildungsumfeld erwies sich die Methode als besonders effektiv, da alle Teilnehmer:innen gleichberechtigt und sicher teilnehmen konnten, unabhängig von ihrem Selbstvertrauen in der verbalen Kommunikation. In der Gruppe der Oberstufenschüler weckte die Aktivität großes Interesse und Neugier, wobei die Schüler:innen auch nach dem geplanten Ende der Sitzung weitermachen wollten. Gleichzeitig wollten einige Teilnehmer:innen ihre Antworten nach der Abstimmung mündlich erläutern, was zeigte, dass die Aktivität nicht nur eine niederschwellige Teilnahme fördert, sondern auch tiefere Diskussionen anregen kann. Die Moderator:innen stellten zudem fest, dass bestimmte Aussagen, insbesondere negativ formulierte, mehr Konzentration erforderten und Verwirrung stiften konnten, wenn sie nicht klar formuliert waren.
Erfahrungen aus dem slowenischen Pilotprojekt: Die Teilnehmer:innen reagierten positiv auf die „Ampel“-Aktivität und schätzten insbesondere ihr interaktives und zugängliches Format. Der visuelle und nonverbale Charakter des Tools erleichterte es den Schüler:innen, sowohl ihre Emotionen als auch ihre Meinungen auszudrücken, auch in Situationen, in denen sie sonst vielleicht gezögert hätten, das Wort zu ergreifen. Es erwies sich als besonders wirksam bei der Verringerung des unmittelbaren Einflusses von Gruppendynamiken, da die Teilnehmer:innen zunächst individuell reagieren konnten, bevor sie sich an der Diskussion beteiligten.
Die Aktivität regte erfolgreich zum Nachdenken und zur Diskussion an, insbesondere wenn im Anschluss aufschlussreiche Informationen folgten (z. B. die Unterscheidung zwischen KI und echten Inhalten oder die Aufdeckung sich wandelnder Körperideale). Diese Momente führten oft zu Überraschung und einem Überdenken anfänglicher Überzeugungen, was kritisches Denken und emotionale Achtsamkeit förderte.
Gleichzeitig unterstrich die Aktivität die Bedeutung einer angeleiteten Moderation. Einige Teilnehmer:innen schlossen sich zunächst der Mehrheit an oder waren unsicher, abweichende Meinungen zu äußern, was Ermutigung erforderte, selbstständig zu reflektieren. Durch die Moderation gewannen die Teilnehmer:innen jedoch mehr Selbstvertrauen, ihre Perspektiven zu teilen und einen respektvollen Dialog zu führen.
Erfahrungen aus dem österreichischen Pilotprojekt: Manchmal machen sich junge Menschen über die Übung lustig und hinterfragen die einzelnen Aussagen. Doch auch bei solchen Reaktionen lassen sich Beteiligung und Reflexion fördern. Es ist wichtig, dass die Teilnehmenden auch Spaß an der Übung haben, um das Interesse nicht zu verlieren. Diese Übung schafft es gut, dass junge Menschen sich beteiligen und sich über einen längeren Zeitraum mit dem Thema beschäftigen.
Risiken und Hinweise
Je nach gewähltem Thema können starke Emotionen oder Gefühle aufkommen. Daher ist es wichtig, dass die Moderator:innen den Rahmen vorgeben und dabei Freundlichkeit und Respekt betonen sowie deutlich machen, dass alle Antworten willkommen sind. Ansonsten ist dies eine sehr sichere und leicht zugängliche Aktivität.
Erfahrungen aus dem rumänischen Pilotprojekt: Im rumänischen Pilotprojekt bestand das größte praktische Risiko nicht in einer emotionalen Überlastung, sondern vielmehr in einem Verlust der Struktur, da die Teilnehmenden nach jeder Abstimmung sehr eifrig waren, ihre Antworten zu erläutern. Die Moderator:innen sollten daher ein Gleichgewicht zwischen Offenheit und Zeitmanagement finden und den Rhythmus der Aktivität klar halten. Es ist auch wichtig, Aussagen einfach und direkt zu formulieren, da Fragen mit doppelter Verneinung oder mehrdeutiger Formulierung die Teilnehmenden verwirren und die Wirksamkeit der Übung mindern können. Bei Bedarf können die Moderator:innen nach jeder Abstimmung kurze, freiwillige Erklärungen zulassen, ohne die Aktivität in eine unstrukturierte Diskussion zu verwandeln.
Erfahrungen aus dem Pilotprojekt in Österreich: Es kann vorkommen, dass unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen. Ein respektvoller Umgang miteinander sollte gewahrt bleiben, und ein offener Diskurs über das Thema sollte gefördert werden.