Emotionales Labyrinth
Ziel: Das Emotionale Labyrinth soll dir helfen, deine eigenen Gefühle und Reaktionen in verschiedenen Situationen besser zu verstehen. Es gibt dir die Möglichkeit, innezuhalten, nachzudenken und zu erkunden, wie du normalerweise mit Herausforderungen umgehst, und vielleicht neue Wege zu entdecken, wie du damit umgehen kannst.
Issue addressed: Sometimes it’s hard to recognize what we feel or why we react the way we do, especially in stressful or unexpected situations. Many young people don’t really get the space to talk about emotions or practice handling them and this tool creates that space in a simple and interactive way.
Bedeutung für die psychische Gesundheit: Das Verstehen der eigenen Gefühle ist ein wichtiger Teil der Achtsamkeit für die eigene psychische Gesundheit. Diese Aktivität hilft dir, dir deiner Gefühle bewusster zu werden, zu erkennen, wie verschiedene Situationen dich beeinflussen, und zu verstehen, dass andere ähnliche Erfahrungen machen. Sie fördert zudem offenere Gespräche über Gefühle, was einen großen Unterschied machen kann.
Beabsichtigte Veränderung: Am Ende der Aktivität sollen die Teilnehmenden sich wohler dabei fühlen, über Emotionen zu sprechen, selbstbewusster im Umgang mit verschiedenen Situationen sein und sich ihrer eigenen Reaktionen bewusster werden. Es geht nicht darum, „perfekte Antworten“ zu geben, sondern jungen Menschen dabei zu helfen, zu reflektieren, sich auszutauschen und ihre eigenen Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Kontext der Pilotdurchführung
Die Sitzung fand vor Ort statt, wobei Moderator:innen den Prozess leiteten und die Teilnehmenden dabei unterstützten, über ihre Emotionen und Reaktionen nachzudenken. Die Gruppe bestand aus 11 Teilnehmenden (3 männlich und 8 weiblich).
Theoretischer Hintergrund
Das Tool basiert auf emotionaler Intelligenz, insbesondere auf dem Erkennen von Emotionen und dem Verständnis, wie diese unsere Reaktionen beeinflussen. Anstatt nur über Gefühle zu sprechen, gehen wir verschiedene Situationen durch und reflektieren unsere eigenen Reaktionen. Dies trägt dazu bei, emotionale Bewusstheit praktischer zu gestalten und leichter mit dem realen Leben zu verknüpfen.
Zielgruppe
- Alter: 13–20 Jahre (auch für Erwachsene anpassbar)
- Profil: Jugendliche, die ihre Emotionen besser verstehen möchten, darunter Schüler:innen und Jugendliche mit geringeren Chancen oder aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen
- Kontext: Die Aktivität wurde in einem Jugendzentrum in einer Präsenzveranstaltung durchgeführt. Sie fand als nicht-formale, von einer Moderatorin geleitete Gruppensitzung in einer für die Jugendlichen sicheren und interaktiven Umgebung statt.
Anwendungsbereich
Ort: Gemeinschaftsräume, Jugendzentren, Schulen, Werkstätten oder jede andere Gruppensituation, in der die Teilnehmenden sich sicher austauschen und reflektieren können
Behandelte Kompetenzbereiche und Dimensionen:
- Behandelte Kompetenzbereiche und Dimensionen:
- Emotionale Achtsamkeit – Gefühle in verschiedenen Situationen erkennen und benennen
- Selbstreflexion – Nachdenken über persönliche Reaktionen und Erfahrungen
- Entscheidungsfindung – zwischen verschiedenen Reaktionen wählen und deren Konsequenzen verstehen
- Kommunikation – Gedanken austauschen und anderen in einer Gruppe zuhören
Aktivitätsbeschreibung – Schritt für Schritt
Schritt 1: Einführung – So funktioniert das Spiel
Dauer: 15 Minuten
Ablauf: Wir beginnen mit einer kurzen Einführung zum Thema Emotionen und erklären, dass die Aktivität im Grunde ein „Labyrinth“ aus Situationen aus dem echten Leben ist. Die Idee ist einfach: Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten, sondern nur unterschiedliche Reaktionen.
Tabelle 1. Handlungen – Schritt 1.
| Handlungen der Moderation | Handlungen der Teilnehmenden |
|---|---|
| Stellt das Thema Emotionen vor | Stellen bei Bedarf Fragen |
| Erklärt das Konzept des Emotionslabyrinths | Beginnen, über die eigenen Reaktionen und Erfahrungen nachzudenken |
| Betont, dass es keine richtigen oder falschen Antworten gibt | |
| Stellt die verschiedenen Kartentypen vor (Szenario, Unterstützung, Hindernis) | |
| Gibt einfache Beispiele, um die Regeln zu verdeutlichen | |
| Schafft eine sichere und entspannte Atmosphäre |
Reflexion: In dieser Phase tauchen die Teilnehmenden gerade erst in das Thema ein. Die Reflexion ist noch oberflächlich, da sie sich hauptsächlich darauf konzentrieren, die Aktivität zu verstehen und über ihre eigenen Reaktionen nachzudenken.
Schritt 2: Durch das Labyrinth gehen
Dauer: 30–40 Minuten
Ablauf: Die Teilnehmenden bewegen sich Schritt für Schritt durch das Emotionale Labyrinth. An jedem Punkt erhalten sie ein Szenario, das eine reale Situation beschreibt, und entscheiden, wie sie reagieren würden. Sie werden ermutigt, ihre Entscheidungen zu erklären und persönliche Erfahrungen zu teilen, wenn sie sich dabei wohlfühlen. Unterstützungs- und Hinderniskarten können die Situationen beeinflussen und neue Aspekte zum Nachdenken hinzufügen. Die/der Moderator:in leitet den Prozess, stellt einfache Fragen und sorgt für einen offenen und sicheren Raum für Diskussionen.
Tabelle 2. Maßnahmen – Schritt 2.
| Handlungen der Moderation | Handlungen der Teilnehmenden |
|---|---|
Leitet die Teilnehmenden durch die Aktivität | Gehen Schritt für Schritt durch das Labyrinth |
Verteilt Szenario-, Unterstützungs- und Hinderniskarten | Lesen verschiedene Szenarien und reagieren darauf |
Ermutigt die Teilnehmenden, ihre Entscheidungen zu erklären | Entscheiden, wie sie reagieren würden |
Stellt bei Bedarf einfache Folgefragen | Teilen ihre Gedanken und persönlichen Erfahrungen |
| Sorgt für eine offene und vorurteilsfreie Atmosphäre | Hören anderen zu und reagieren auf sie |
Reflexion: Die Teilnehmenden reflektieren aktiv ihre eigenen Reaktionen, während sie verschiedene Situationen durchlaufen. Sie beginnen, Muster in ihren Reaktionen zu erkennen und stellen fest, dass andere möglicherweise anders reagieren. Es entstehen Bezüge zum realen Leben, und der Austausch innerhalb der Gruppe wird natürlicher.
Schritt 3: Abschluss und Reflexion
Dauer: 15 Minuten
Ablauf: Am Ende der Aktivität kommen die Teilnehmenden zu einer gemeinsamen Reflexion zusammen. Sie besprechen ihre Erfahrungen, die Situationen, mit denen sie sich identifizieren konnten, und die unterschiedlichen Arten, wie sie reagiert haben. Die/der Moderator:in unterstützt das Gespräch mit einfachen Fragen und hilft dabei, die Aktivität mit Situationen aus dem realen Leben zu verknüpfen.
Tabelle 3. Maßnahmen – Schritt 3.
| Maßnahmen der Moderation | Handlungen der Teilnehmenden |
|---|---|
| Bringt die Gruppe wieder zusammen | Teilen ihre Gedanken und Erfahrungen mit, wenn sie möchten |
| Stellt einfache Reflexionsfragen (z. B. Was kam einem bekannt vor, was war schwierig?) | Reflektieren ihre Reaktionen während der Aktivität |
| Ermutigt zum Austausch, zwingt aber nicht dazu | Hören anderen zu und vergleichen Perspektiven |
| Fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen |
Reflexion: Die Teilnehmenden reflektieren ihre Reaktionen und Erfahrungen. Sie können Muster in ihrem Umgang mit Situationen erkennen und sehen, dass andere möglicherweise anders denken oder fühlen. Die Aktivität hilft ihnen, ihre Emotionen etwas besser zu verstehen und sich wohler dabei zu fühlen, darüber zu sprechen.
Benötigte Materialien: Gedrucktes oder handgezeichnetes Labyrinthbrett, Szenariokarten, Hilfs- und Hinderniskarten, Marker oder kleine Gegenstände für die Teilnehmenden, Flipchart oder Papier (optional).
Mögliche Anpassungen
Das Labyrinth kann für jüngere Teilnehmende vereinfacht werden, indem man sich besser nachvollziehbare und einfachere Szenarien wählt. Für ältere Gruppen oder Erwachsene können die Situationen komplexer gestaltet oder an reale Herausforderungen (z. B. am Arbeitsplatz oder in Beziehungen) angelehnt werden. Das Labyrinth kann auch für Online-Sitzungen in ein digitales Format übertragen werden. Je nach Gruppengröße kann die Aktivität einzeln, zu zweit oder in kleinen Teams durchgeführt werden.
Wirkungsbewertung der Aktivität
| Indikator | Bewertungsmethode |
|---|---|
| Fähigkeit, Emotionen zu erkennen | Reaktionen der Teilnehmenden auf Szenariokarten und Reflexionen |
| Bereitschaft zum Austausch | Beispiele, die von den Teilnehmenden während des Spiels und der Reflexion geteilt wurden |
| Verständnis für unterschiedliche Reaktionen | Gruppendiskussionen und Vergleich der Antworten |
| Sicherheit im Umgang mit Emotionen |
Reflexion der Moderation:
- Grad der Gruppenbeteiligung: Die Gruppe war engagiert. Nach anfänglichem Zögern wurden die Teilnehmenden aktiver und beteiligten sich stärker, insbesondere während der Szenariodiskussionen. Es dauerte eine Weile, bis das Spiel verstanden wurde.
- Atmosphäre: Die Atmosphäre war nicht sofort offen. Zunächst waren die Teilnehmenden eher zurückhaltend und weniger bereit, sich mitzuteilen. Sobald jedoch ein Vertrauensverhältnis aufgebaut war, fühlten sie sich wohler und begannen, sich zu öffnen.
- Bandbreite der emotionalen Reaktionen: Sobald sich die Teilnehmenden wohler fühlten, konnten sie verschiedene Gefühle erkennen und darüber sprechen, und einige stellten eine Verbindung zwischen den Szenarien und ihren eigenen Erfahrungen her.
Während der Pilotaktivität beobachtete Reaktionen
Zu Beginn waren die Teilnehmenden etwas unsicher und eher zurückhaltend, besonders wenn es darum ging, über ihre Gefühle zu sprechen. Einige brauchten etwas mehr Zeit, um die Aufgabe zu verstehen und sich beim Sprechen wohlzufühlen. Im Laufe der Aktivität begannen sie, sich mehr zu öffnen. Sie reagierten auf die Antworten der anderen, stimmten manchmal zu oder fügten eigene Beispiele hinzu. Es gab Momente der Erkenntnis, in denen ihnen bewusst wurde, dass sie ähnliche Erfahrungen oder Reaktionen hatten. Am Ende waren mehr Teilnehmende bereit zu sprechen, und die Gruppe wirkte entspannter. Man konnte sehen, dass sie bewusster über ihre eigenen Reaktionen nachdachten und nicht nur schnell antworteten.
Risiken und Warnhinweise:
- Einige Szenarien können sensible Emotionen auslösen
- Teilnehmende könnten sich beim Teilen unwohl fühlen
- Jüngere Teilnehmende benötigen möglicherweise klarere Erklärungen
- Die/der Moderator:in sollte für einen sicheren, vorurteilsfreien Raum sorgen.