Baum des Lebens
Ziel: Die Aktivität „Baum des Lebens“ unterstützt junge Menschen dabei, durch Geschichtenerzählen und symbolische Darstellung über ihre Identität und ihre Lebenserfahrungen nachzudenken. Sie hilft den Teilnehmenden, ihre persönlichen Lebensgeschichten zu überdenken und ein auf ihren Stärken basierendes Verständnis ihrer Identität zu entwickeln, während sie motivierende und unterstützende Faktoren in ihrem Leben erkunden.
Behandeltes Thema: Viele junge Menschen, insbesondere solche aus benachteiligten oder komplexen Verhältnissen (wie Jugendliche in alternativer Betreuung, Pflegefamilien, komplexen familiären Situationen, NEET-Jugendliche, Jugendliche mit Behinderungen oder solche mit traumatischen Erfahrungen), haben möglicherweise Schwierigkeiten, ihre persönlichen Stärken zu erkennen und zu verstehen, wie ihre Lebenserfahrungen ihre Identität und ihr Wohlbefinden prägen.
Relevanz für die psychische Gesundheit: Die Aktivität trägt zur psychosozialen Gesundheitskompetenz bei, indem sie die Fähigkeit junger Menschen stärkt, zu erkennen, wie ihre Lebensgeschichten ihre psychische Gesundheit und ihr soziales Wohlbefinden beeinflussen. Sie unterstützt die Teilnehmenden dabei, ihre psychologischen Stärken, persönlichen Qualitäten und verfügbaren sozialen Unterstützungsangebote zu identifizieren, was Selbstbewusstsein, Resilienz und ein positiveres Selbstverständnis fördert.
Beabsichtigte Veränderung:
- Steigerung der Selbstwahrnehmung und des Selbstwertgefühls durch Reflexion über die persönliche Identität;
- Stärkung des Selbstvertrauens, indem junge Menschen in die Lage versetzt werden, ihre Lebensgeschichten zu gestalten und zu teilen;
- Den Teilnehmenden helfen, ihre vorhandenen persönlichen Eigenschaften, Stärken und Fähigkeiten zu erkennen;
- Ermutigung zur Erforschung innerer und äußerer Faktoren, die ihre Entscheidungen und zukünftigen Lebenswege beeinflussen.
Rumänische Perspektive: Die Pilotdurchführung in Rumänien bestätigte die Relevanz des Instruments für junge Menschen mit unterschiedlichen und oft prekären Hintergründen. Eine wiederkehrende Beobachtung war, dass es den Teilnehmenden deutlich leichter fiel, ihre Schwächen zu identifizieren als ihre Stärken, was eine Tendenz zu einer defizitorientierten Selbstwahrnehmung widerspiegelt. In diesem Zusammenhang spielte die Lebensbaum-Aktivität eine Schlüsselrolle dabei, den Fokus auf persönliche Ressourcen und positive Identitätselemente zu verlagern. Die Aktivität unterstützte die Teilnehmenden dabei, ihre Fähigkeiten, Interessen und Unterstützungsnetzwerke schrittweise zu erkennen, was zu einem verbesserten Selbstwertgefühl und einer größeren Offenheit für Selbstreflexion beitrug. Sie förderte zudem die Entwicklung eines ausgewogeneren Selbstbildes, insbesondere bei Teilnehmenden, denen es anfangs schwerfiel, persönliche Stärken oder Zukunftswünsche zu artikulieren.
Kontext der Pilotdurchführung
Diese Aktivität wurde im Rahmen einer Pilotmaßnahme durchgeführt, die im Rahmen des MEET-Projekts in den Räumlichkeiten der Association Amica Educa, einem Projektpartner aus Tuzla, Bosnien und Herzegowina, stattfand. Die Sitzung wurde persönlich abgehalten und umfasste eine Gruppe von acht NEET-Jugendlichen, darunter ein männlicher und sieben weibliche Teilnehmer:innen. Die Sitzung wurde von einem Trainer mit Unterstützung eines Mentors moderiert. Sie folgte einem interaktiven Format, das individuelle Reflexion, kreatives Zeichnen und Gruppendiskussion kombinierte. Die Teilnehmenden erstellten ihre persönlichen Lebensbaum-Zeichnungen und wurden dazu angeregt, über ihre Stärken, Erfolge, Herausforderungen, Hoffnungen und Träume nachzudenken. Die Sitzung fand in einer unterstützenden, nicht-formalen Lernumgebung statt, die die Teilnehmer dazu ermutigte, über ihre persönlichen Erfahrungen nachzudenken und ihre Identität, Stärken und Unterstützungsquellen zu erkunden. Die Lebensbaum-Aktivität wurde im Rahmen der Pilotphase des MEET-Projekts auch in Rumänien an mehreren Orten durchgeführt, darunter in Reșița, Bocșa und Anina sowie in einem Jugendzentrum. Die Aktivität wurde mit verschiedenen Gruppen junger Menschen durchgeführt, darunter Schüler:innen, junge Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Teilnehmer:innen aus benachteiligten Verhältnissen. Die Gruppengrößen variierten, sodass die Moderator:innen das Instrument sowohl in kleineren als auch in größeren Gruppendynamiken testen konnten. Die Sitzungen wurden in einem nicht-formalen Bildungsumfeld moderiert, wobei großer Wert auf die Schaffung einer sicheren und unterstützenden Umgebung gelegt wurde. In mehreren Fällen war ein:e Psycholog:in als Moderator:in beteiligt, was sich als besonders wertvoll erwies, um die Reflexion zu leiten und die Teilnehmer:innen in sensibleren Momenten zu unterstützen. Die Umsetzung kombinierte individuelle kreative Arbeit mit angeleiteten Gruppendiskussionen, wodurch die Teilnehmer:innen ihre persönlichen Erfahrungen erkunden und gleichzeitig von der Interaktion mit Gleichaltrigen profitieren konnten. Das rumänische Pilotprojekt hob die Anpassungsfähigkeit des Instruments an unterschiedliche Kontexte hervor und unterstrich zugleich die Bedeutung des Moderationsstils, des Gruppenzusammenhalts und der Zeiteinteilung für das Erreichen aussagekräftiger Reflexionsergebnisse.
Theoretischer Hintergrund
Persönliche Identität und Selbstverständnis entwickeln sich durch die Geschichten, die Menschen über ihr Leben erzählen. Narrative und stärkenorientierte Ansätze in der Jugendarbeit betonen, wie wichtig es ist, jungen Menschen dabei zu helfen, ihre Fähigkeiten, Ressourcen und unterstützenden Beziehungen zu erkennen, die wichtige Schutzfaktoren für psychische Gesundheit und Resilienz darstellen. Jugendliche, die komplexe Lebenssituationen wie familiäre Instabilität, soziale Ausgrenzung oder andere schwierige Umstände erlebt haben, nehmen ihr Leben manchmal vor allem durch Probleme oder Einschränkungen wahr. Dies kann ihr Selbstwertgefühl, ihre Zukunftsorientierung und ihre Fähigkeit beeinträchtigen, interne und externe Ressourcen zu erkennen, die ihre Entwicklung unterstützen können. Die Aktivität Lebensbaum nutzt eine symbolische und kreative Metapher, um den Teilnehmenden zu helfen, über verschiedene Aspekte ihres Lebens nachzudenken. Durch Zeichnen und Geschichtenerzählen erkunden junge Menschen ihre vergangenen Erfahrungen, gegenwärtigen Lebensumstände, persönlichen Eigenschaften und Zukunftswünsche anhand der Elemente eines Baumes (Wurzeln, Boden, Stamm, Äste, Blätter und Früchte). Indem sie ihre Lebensgeschichten auf diese strukturierte und kreative Weise ordnen, können die Teilnehmenden ihre Stärken besser erkennen, unterstützende Menschen in ihrem Leben identifizieren und eine ausgewogenere und stärkende Perspektive auf ihre Identität entwickeln. Der Einsatz von Metaphern und kreativem Ausdruck macht den Reflexionsprozess zugänglich und ansprechend, insbesondere für junge Menschen, denen es möglicherweise schwerfällt, direkt über persönliche Erfahrungen zu sprechen. Auf diese Weise fördert die Aktivität Selbstbewusstsein, Resilienz und ein auf Stärken basierendes Verständnis der eigenen Lebensgeschichte. Die rumänische Pilotdurchführung bestätigte die Relevanz des oben beschriebenen narrativen und stärkenorientierten Ansatzes, insbesondere bei der Arbeit mit jungen Menschen, die es nicht gewohnt sind, auf strukturierte Weise über ihre persönlichen Erfahrungen zu reflektieren. Zu Beginn der Aktivität zeigten die Teilnehmenden oft nur eine begrenzte Fähigkeit, vergangene Erfahrungen mit ihrer aktuellen Identität oder ihren Zukunftswünschen in Verbindung zu bringen. Das Lebensbaum-Konzept unterstützte diesen Prozess, indem es eine klare und zugängliche Struktur für die Reflexion bot und den Teilnehmenden half, ihre Gedanken zu ordnen und nach und nach eine kohärentere und positivere persönliche Erzählung aufzubauen. Dies war besonders wichtig für diejenigen mit geringem Selbstvertrauen, die sich anfangs eher auf negative Erfahrungen oder wahrgenommene Einschränkungen konzentrierten.
Zielgruppe
- Alter: 15–30 Jahre (auch für Erwachsene anpassbar)
- Profil: Jugend allgemein, NEET-Jugendliche, Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen, Jugendliche mit komplexen Lebenserfahrungen
- Kontext: nicht-formale oder formale Bildungsumgebungen (Bildungsaktivitäten, Workshops, Schulungen)
Im rumänischen Pilotprojekt erwies sich das Instrument als besonders relevant für junge Menschen mit geringem Selbstwertgefühl, eingeschränkten Selbstreflexionsfähigkeiten und solchen, die aus sozioökonomisch benachteiligten oder von Migration betroffenen Verhältnissen stammen. Es war auch bei der Arbeit mit Teilnehmenden mit sonderpädagogischem Förderbedarf wirksam, sofern zusätzliche Moderationsunterstützung und vereinfachte Erklärungen angeboten wurden.
Anwendungsbereich
Ort: Schule, NGOs, Jugendzentren, Gemeindezentren, psychosoziale Unterstützungsprogramme usw. Die Pilotdurchführung bestätigte, dass das Instrument in verschiedenen Umgebungen, darunter Schulumgebungen, Jugendzentren und nicht-formale Workshops, in hohem Maße anpassungsfähig ist. Seine Wirksamkeit hängt jedoch von der Fähigkeit der/des Moderator:in ab, einen sicheren Raum zu schaffen und den Reflexionsgrad an die Bedürfnisse der Gruppe anzupassen.
Behandelte Kompetenzarten und Dimensionen:
- Sozial-emotionale Kompetenzen: Selbstwahrnehmung, Ausdruck von Emotionen, Erkennen persönlicher Stärken
- Beziehungsfähigkeiten: Erkennen unterstützender Beziehungen, Zugehörigkeitsgefühl, Wertschätzung anderer
- Resilienzfähigkeiten: Erkennen innerer Ressourcen, Stärkung des Selbstvertrauens, Bewältigung von Lebensherausforderungen
- Bewusstseinskompetenzen: Reflexion der persönlichen Identität, Verständnis für den Einfluss von Lebenserfahrungen auf das Wohlbefinden, Zukunftsorientierung.
Aktivitätsbeschreibung – Schritt für Schritt
Schritt 1: Einführung
Dauer: 10 – 15 Minuten
Ablauf: Die/der Moderator:in beginnt die Aktivität, indem sie/er die Teilnehmenden dazu einlädt, über Geschichten und deren Rolle im Leben der Menschen nachzudenken. Den Teilnehmenden werden Fragen gestellt wie:
- Hört oder lest ihr gerne Geschichten?
- Was ist eurer Meinung nach der Zweck von Geschichten?
- Habt ihr schon einmal Geschichten über euch selbst erzählt? Wenn ja, wann? Wenn nein, warum?
Die/der Moderator:in erklärt, dass jeder Mensch eine persönliche Geschichte hat, die durch seine Erfahrungen, Beziehungen und wichtigen Momente im Leben geprägt ist. Die Aktivität soll den Teilnehmenden helfen, ihre eigenen Lebensgeschichten auf kreative Weise mithilfe der Metapher eines Baumes zu erkunden.
Tabelle 1. Maßnahmen – Schritt 1.
| Maßnahmen der Moderation | Handlungen der Teilnehmenden |
|---|---|
| Das Thema Geschichten und ihre Rolle im Leben der Menschen einführen. | Beantwortung und Reflexion der Fragen zu Geschichten. |
| Stellen Sie Leitfragen zu Geschichten und persönlichen Erfahrungen. | Mitteilung von Gedanken oder Erfahrungen mit, sofern man sich dabei wohlfühlt. |
| Erklären Sie, dass die Aktivität darin besteht, persönliche Geschichten anhand der Metapher des Lebensbaums zu erkunden. | |
| Wenn eine Diskussion entsteht, würdigen Sie die Beiträge der Teilnehmenden, reflektieren Sie zentrale Ideen und fördern Sie einen respektvollen Austausch. |
Reflexion: Diese einleitende Diskussion hilft den Teilnehmenden zu verstehen, dass jede:r eine persönliche Geschichte hat und dass das Nachdenken über Lebenserfahrungen ihnen helfen kann, sich selbst und die eigenen Stärken besser zu verstehen. Sie bereitet die Gruppe auf die anschließende kreative Aktivität vor.
Schritt 2: Den Lebensbaum gestalten
Dauer: 45 – 60 Minuten
Ablauf: Die/der Moderator:in erklärt, dass die Teilnehmenden ihre eigene Zeichnung eines „Lebensbaums“ erstellen werden, um verschiedene Aspekte ihres Lebens darzustellen. Eine vorgezeichnete Vorlage des Baums wird gezeigt und jeder Teil des Baums erklärt. Die Teilnehmenden werden eingeladen, über ihre Erfahrungen nachzudenken und diese symbolisch in ihrer Zeichnung darzustellen. Die/der Moderator:in stellt kurz die Bedeutung jedes Teils des Baums vor:
Wurzeln – Prägende Elemente: Familie, Region/Stadt/Gemeinde, aus der man stammt; Kultur, Religion, Sprache, vergangene Erfahrungen (eine oder zwei), liebste Erinnerungen, besuchte Schulen, sonstige bedeutende Einflüsse.
Boden – Routinen und Verhaltensweisen: tägliche Routinen, gegenwärtige Lebensumstände und aktuelle Werte: wo die Teilnehmenden leben, mit wem sie zusammenleben, Menschen, die sie positiv beeinflussen, Hobbys, aktuelle Aktivitäten, denen sie nachgehen, usw. Der Boden kann glatt, uneben oder mit Steinen dargestellt werden – je nachdem, wie die Teilnehmenden ihre aktuelle Lebenssituation sehen.
Stamm – Talente und Fähigkeiten: persönliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Eigenschaften, die die Teilnehmenden an sich selbst erkennen oder die andere an ihnen schätzen (einschließlich Dinge, in denen sie gut sein könnten, wenn sie die Gelegenheit dazu bekämen). Der Stamm kann dicker oder dünner gezeichnet werden, je nachdem, wie sicher sich die Teilnehmenden derzeit in Bezug auf diese Fähigkeiten fühlen.
Äste – Hoffnungen, Träume, Wünsche und Ziele: kurz- oder langfristige Bestrebungen und Zukunftspläne. Die Teilnehmenden können auch darüber nachdenken, wie sie diese Ziele erreichen könnten und wer sie dabei unterstützen könnte.
Blätter – Unterstützung und Verbündete: Namen von Menschen, die im Leben der Teilnehmenden wichtig sind und die sie unterstützen oder inspirieren. Die Teilnehmenden können auch darüber nachdenken, warum diese Menschen für sie von Bedeutung sind und was sie von ihnen gelernt haben. Wenn bestimmte Personen nicht mehr in Kontakt stehen oder verstorben sind, können sie als abgefallene Blätter neben dem Baum dargestellt werden – immer noch wichtig, aber nicht mehr im Mittelpunkt ihres Lebens.
Früchte – Innere Stärke: persönliche Eigenschaften wie Mut, Freundlichkeit, Fleiß, Belastbarkeit und andere innere Ressourcen, die ihnen helfen, voranzukommen und ihre Ziele zu erreichen.
Sonne und Regen – Elemente, die Wachstum ermöglichen: äußere Faktoren oder Unterstützungssysteme, die den Teilnehmenden helfen, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln.
Die Teilnehmer:innen werden ermutigt, ihre Bäume kreativ zu zeichnen und sich eher auf die persönliche Bedeutung als auf die künstlerische Qualität zu konzentrieren. Die/der Moderator:in gibt Zeit zum Nachdenken und Zeichnen und bietet bei Bedarf Ermutigung und Unterstützung an.
Tabelle 2. Maßnahmen – Schritt 2.
| Maßnahmen der Moderation | Handlungen der Teilnehmenden |
|---|---|
| Präsentieren Sie die Vorlage für den Lebensbaum und erklären Sie die Bedeutung der einzelnen Teile des Baumes. | Erläuterungen zu den Elementen des Baumes anhören. |
| Stellen Sie Malutensilien bereit und geben Sie ausreichend Zeit für die Aktivität. | Über verschiedene Aspekte ihres Lebens nachdenken. |
| Ermutigen Sie die Teilnehmer:innen, beim Erstellen ihres Baumes über verschiedene Aspekte ihres Lebens nachzudenken. | Erstellen der eigenen „Lebensbaum“-Zeichnung unter Verwendung von Symbolen und Worten. |
| Bieten Sie bei Bedarf während des Malvorgangs Anleitung und Ermutigung an. |
Reflexion: Dieser Schritt ermöglicht es den Teilnehmenden, ihre Lebenserfahrungen, Stärken, Beziehungen und Ziele auf strukturierte und kreative Weise zu erkunden. Die visuelle Darstellung ihrer Lebensgeschichte hilft ihnen, persönliche Ressourcen und unterstützende Beziehungen zu erkennen, die zu ihrem Wohlbefinden beitragen. Außerdem regt er die Teilnehmenden dazu an, über ihre Identität nachzudenken und eine ausgewogenere, auf Stärken basierende Perspektive auf ihr Leben zu entwickeln.
Hinweis: Der Baum sollte in erster Linie Hoffnung, positive Geschichten und Stärken widerspiegeln. Auch wenn unangenehme Erfahrungen geteilt werden können, sollte der Schwerpunkt insgesamt darauf liegen, das Selbstwertgefühl zu stärken und persönliche Ressourcen zu erkennen. Die/der Moderator:in kann bei Bedarf individuelle Unterstützung leisten, um den Teilnehmer:innen zu helfen, sich auf positive Aspekte zu konzentrieren.
Schritt 3: Die Geschichte erzählen
Dauer: 25–30 Minuten
Ablauf: Sobald die Teilnehmenden ihre Zeichnungen des Lebensbaums fertiggestellt haben, lädt die/der Moderator:in sie ein, ihre Bäume und die Geschichten dahinter vorzustellen. Die Teilnehmenden können verschiedene Teile ihres Baumes vorstellen und erklären, was diese in ihrem Leben bedeuten. Die Teilnahme ist freiwillig. Teilnehmende, die ihren Baum lieber nicht vorstellen möchten, können stattdessen über ihre Erfahrungen beim Erstellen des Baumes reflektieren und Gedanken oder Erkenntnisse teilen, die sie während des Prozesses gewonnen haben. Die/der Moderator:in sorgt während des Austauschs für eine respektvolle und unterstützende Atmosphäre. Nach jeder Präsentation können die/der Moderator:in und andere Teilnehmende positives und ermutigendes Feedback geben. Falls angebracht, kann die/der Moderator:in auch den eigenen Lebensbaum als Beispiel vorstellen.
Tabelle 3. Maßnahmen – Schritt 3.
| Maßnahmen der Moderation | Handlungen der Teilnehmenden |
|---|---|
| Laden Sie die Teilnehmer:innen ein, ihren Lebensbaum und die Geschichten dahinter zu teilen. | Präsentieren Sie Ihren Lebensbaum und erklären Sie die verschiedenen Elemente, wenn Sie sich dabei wohlfühlen. |
| Betonen Sie, dass das Teilen freiwillig ist. | Hören Sie den Geschichten der anderen mit Respekt und Aufmerksamkeit zu. |
| Ermutigen Sie zu respektvollem Zuhören und unterstützendem Feedback innerhalb der Gruppe. | Geben Sie den anderen Teilnehmer:innen unterstützendes und positives Feedback. |
| Geben Sie positives Feedback und würdigen Sie die Stärken und Reflexionen der Teilnehmenden. |
Reflexion: Durch das Teilen ihrer Geschichten können die Teilnehmenden ihre Erfahrungen, Stärken und Ziele in einer unterstützenden Umgebung zum Ausdruck bringen. Das Zuhören bei den Geschichten der anderen kann zudem Empathie, gegenseitiges Verständnis und ein Gefühl der Verbundenheit innerhalb der Gruppe fördern.
Schritt 4: Nachbesprechung und Auswertung
Dauer: 15 – 20 Minuten
Ablauf: Nachdem die Teilnehmenden ihre Lebensbaum-Zeichnungen fertiggestellt und vorgestellt haben, lädt die/der Moderator:in sie ein, über die Erfahrung des Zeichnens ihrer Bäume und des Teilens ihrer Geschichten nachzudenken. Die Reflexion konzentriert sich darauf, was die Teilnehmenden über sich selbst entdeckt haben. Die/der Moderator:in kann die Diskussion mit Fragen wie den folgenden anleiten:
- Was hast du während dieser Aktivität über dich selbst gelernt?
- Wie steht ihr jetzt zu euren Stärken und Zielen?
Die/der Moderator:in fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus der Diskussion zusammen und hebt die Bedeutung ihrer Geschichten hervor, wobei sie/er persönliche Stärken, unterstützende Beziehungen und Hoffnungen für die Zukunft würdigt.
Tabelle 4. Maßnahmen – Schritt 4.
| Maßnahmen der Moderation | Handlungen der Teilnehmenden |
|---|---|
| Laden Sie die Teilnehmer:innen ein, mithilfe von Leitfragen über die Aktivität nachzudenken. | Reflexion der Erfahrung, den eigenen Lebensbaum zu gestalten und zu teilen. |
| Encourage voluntary sharing of thoughts and experiences. | Mitteilung von Erkenntnissen oder Gefühlen, sofern man sich dabei wohlfühlt. |
| Fassen Sie die wichtigsten Erkenntnisse aus der Diskussion zusammen. | |
| Betonen Sie, wie wichtig es ist, persönliche Stärken und Unterstützungsnetzwerke zu erkennen. |
Reflexion: Dieser Schritt ermöglicht es den Teilnehmenden, ihre Erfahrungen aus der Aktivität zu verarbeiten und über ihre persönlichen Stärken, Beziehungen und Ziele nachzudenken. Er stärkt das Selbstbewusstsein und ermutigt die Teilnehmenden, ihre Lebensgeschichten aus einer positiveren und bestärkenden Perspektive zu betrachten.
Schritt 5: Gruppenreflexionsgalerie
Dauer: 10 – 15 Minuten
Ablauf: Die/der Moderator:in lädt die Teilnehmenden ein, ihre Lebensbaum-Zeichnungen gemeinsam an einer Wand oder auf einer Tafel anzubringen und so einen symbolischen „Wald“ zu schaffen. Diese visuelle Darstellung verdeutlicht die Vielfalt der Erfahrungen, Stärken und Ziele innerhalb der Gruppe. Die Teilnehmenden werden eingeladen, herumzugehen und die von anderen gestalteten Bäume zu betrachten. Die/der Moderator:in kann die Teilnehmenden dazu ermutigen, positive Notizen, Kommentare oder Aufkleber an den Bäumen der anderen anzubringen, um Wertschätzung und Unterstützung auszudrücken. Die/der Moderator:in schließt die Aktivität ab, indem sie/er betont, dass genau wie in einem Wald, in dem verschiedene Bäume zusammenwachsen, die Geschichte jeder einzelnen Person zur Stärke und zum Reichtum der Gruppe beiträgt. Dies fördert das Zugehörigkeitsgefühl und die gegenseitige Unterstützung.
Tabelle 8. Maßnahmen – Schritt 5.
| Maßnahmen der Moderation | Handlungen der Teilnehmenden |
|---|---|
| Laden Sie die Teilnehmer:innen ein, ihre Bäume gemeinsam an einer Wand oder auf einer Tafel anzubringen und so einen „Wald“ zu schaffen. | Anbringen des Lebensbaums an der Wand oder Tafel. |
| Ermutigen Sie die Teilnehmer:innen, die von anderen gestalteten Bäume zu betrachten. | Betrachten der von anderen Teilnehmer:innen gestalteten Bäume. |
| Bitten Sie die Teilnehmer:innen, positive Notizen oder unterstützende Kommentare zu hinterlassen. | Hinterlassen von positiven Notizen oder unterstützenden Kommentaren, wenn man möchte. |
| Heben Sie die Idee der Vielfalt, der Verbundenheit und der kollektiven Stärke innerhalb der Gruppe hervor. |
Reflexion: Das Schaffen eines gemeinsamen „Waldes“ hilft den Teilnehmenden, ein Gefühl der Zugehörigkeit und der gemeinsamen Verbundenheit innerhalb der Gruppe zu erleben. Es verdeutlicht, dass die Geschichte jedes Einzelnen einzigartig ist, und zeigt gleichzeitig, wie unterschiedliche Erfahrungen und Stärken nebeneinander bestehen und sich gegenseitig unterstützen können.
Nachbereitung (optional): Die Teilnehmer:innen können dazu ermutigt werden, ihren Lebensbaum im Laufe der Zeit wieder aufzugreifen und neue Äste, Früchte oder Blätter hinzuzufügen, wenn sie neue Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnen. Die Teilnehmer:innen können auch ein Foto des während der Aktivität entstandenen „Waldes“ machen, als visuelle Erinnerung an die Stärken und gemeinsamen Erfahrungen der Gruppe. Das Bild kann später in zukünftigen Sitzungen wieder aufgegriffen oder mit den Teilnehmer:innen geteilt werden, um an ihr persönliches Wachstum und ihre gegenseitige Unterstützung zu erinnern.
Benötigte Materialien:
- A3-Papier oder Flipchart-Papier
- Buntstifte, Filzstifte oder Wachsmalstifte
- Vorgezeichnete Vorlage für den Lebensbaum mit Anleitung (von der Moderation auf Flipchart-Papier oder einer Tafel vorbereitet)
- Beispiel eines fertigen Lebensbaums (optional, von der Moderation vorbereitet)
- Präsentationstafel oder Wandfläche zum Aufhängen der Bäume
- Klebeband, Magnete oder Reißzwecken zum Befestigen der Zeichnungen
Die Durchführung zeigte, dass sich die Teilnehmenden zwar leicht auf den Zeichen-Teil einlassen konnten, die reflektierenden Aspekte der Aktivität jedoch eine aktive Moderation erforderten. Viele Teilnehmende benötigten zusätzliche Anleitung und konkrete Beispiele, um persönliche Stärken und Lebenserfahrungen zu erkennen. Der Einstieg über vertraute Themen wie Hobbys oder Alltagsroutinen erwies sich als wirksamer Ansatzpunkt. Es wurde zudem beobachtet, dass die Zeiteinteilung die Tiefe der Reflexion maßgeblich beeinflusste. In kürzeren Sitzungen blieben die Teilnehmenden tendenziell auf einer eher oberflächlichen Ebene, während eine längere Dauer und angeleitete Diskussionen eine tiefere Selbsterforschung ermöglichten.
Mögliche Anpassungen:
Die Aktivität kann je nach den Bedürfnissen der Gruppe, dem Alter und dem Grad der Vertrautheit mit persönlicher Reflexion angepasst werden. Die Wirksamkeit des Instruments hängt von der Fähigkeit der/des Moderator:in ab, den Ansatz anzupassen und eine sichere und unterstützende Umgebung zu schaffen, in der sich die Teilnehmenden wohlfühlen, wenn sie sich mit ihren Geschichten auseinandersetzen.
- Die Reflexions- und Austauschphase kann in Zweiergruppen oder kleinen Gruppen statt in der gesamten Gruppe durchgeführt werden, um einen sichereren Raum für Teilnehmer:innen zu schaffen, denen es möglicherweise unangenehm ist, vor anderen zu sprechen.
- Moderator:innen sollten sicherstellen, dass die während der Aktivität verwendete Sprache, die Beispiele und Erklärungen dem kulturellen und sozialen Kontext der Teilnehmenden entsprechen.
- Besondere Aufmerksamkeit sollte der Arbeit mit schutzbedürftigen Personen oder Gruppen gewidmet werden, wobei auf Sensibilität für ihre Erfahrungen und ihre Bereitschaft zur Teilnahme an Reflexionsaktivitäten geachtet werden sollte.
- Teilnehmer:innen, denen bestimmte Teile der Aktivität Schwierigkeiten bereiten, kann zusätzliche Unterstützung angeboten werden.
- Teilnehmer:innen, die lieber nicht zeichnen möchten, können ihre Ideen mit Worten, Symbolen oder Collagenmaterialien ausdrücken.
- Die Aktivität kann auch über mehrere Sitzungen verteilt durchgeführt werden, um mehr Zeit für Reflexion und Diskussion zu schaffen.
Im rumänischen Kontext erwies es sich als besonders nützlich, die Aktivität anzupassen, indem die Anweisungen vereinfacht und eine schrittweise Anleitung angeboten wurden, insbesondere für Teilnehmer:innen mit begrenzter Erfahrung in der Selbstreflexion. In Gruppen mit geringerer Kohäsion förderte die Arbeit in Paaren oder kleinen Gruppen vor dem Austausch im Plenum die Beteiligung und das Wohlbefinden. Darüber hinaus empfanden die Moderator:innen es als hilfreich, sich in größeren Gruppen eher auf gemeinsame Themen zu konzentrieren als auf detaillierten individuellen Austausch.
Wirkungsbewertung der Aktivität:
| Indikator | Bewertungsmethode |
|---|---|
| Gesteigertes Selbstbewusstsein und Reflexion über die persönliche Identität | Kurzes Reflexionsblatt, das am Ende der Aktivität ausgefüllt wird |
| Fähigkeit, persönliche Stärken und Qualitäten zu erkennen | Selbstbewertungsaussagen, bewertet auf einer Skala (1–5) |
| Bewusstsein für unterstützende Beziehungen und Zukunftswünsche | Reflexionsfragen zu Unterstützungsnetzwerken und persönlichen Zielen |
| Gestärktes Vertrauen in die eigenen Stärken und Fähigkeiten | Selbstbewertungsaussage im Fragebogen nach der Aktivität |
Beobachtungen aus dem Pilotprojekt deuteten darauf hin, dass qualitatives Feedback und Gruppendiskussionen besonders wertvoll waren, um die Wirkung der Aktivität zu erfassen. Die Teilnehmenden äußerten oft ein gesteigertes Bewusstsein für ihre persönlichen Stärken und Unterstützungsnetzwerke, auch wenn sich diese Veränderungen nicht vollständig in den quantitativen Selbstbewertungsergebnissen widerspiegelten.
Reflexion der Moderation
Die Moderator:innen beobachteten, dass das Engagement der Teilnehmenden im Laufe der Aktivität zunehmend zunahm, insbesondere während der Austauschphase. Die Schaffung einer sicheren und wertfreien Umgebung war entscheidend, um zur Teilnahme und Offenheit zu ermutigen. Gruppen mit einem höheren anfänglichen Vertrauensniveau zeigten tiefere Reflexion und eine größere Bereitschaft, persönliche Erfahrungen zu teilen.
Während der Pilotaktivität beobachtete Reaktionen:
Die Teilnehmenden zeigten während der Aktivität insgesamt ein mittleres Maß an Engagement. Viele beteiligten sich aktiv an der Reflexion ihrer Erfahrungen und der Identifizierung ihrer Stärken, Erfolge und Ziele, während sie ihre Lebensbaum-Zeichnungen anfertigten. Mehrere Teilnehmer:innen äußerten ihre Wertschätzung für die Gelegenheit, über ihre persönlichen Ressourcen nachzudenken, und merkten an, dass sie sich schon lange nicht mehr mit einer solchen Selbstreflexion beschäftigt hätten. Die Aktivität half ihnen, persönliche Eigenschaften und Stärken zu erkennen, die sie zuvor nicht in Betracht gezogen hatten, was zu einem gesteigerten Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein beitrug. Einige Teilnehmer:innen zogen es zunächst vor, ihren Lebensbaum nicht mit der Gruppe zu teilen, und entschieden sich dafür, ihre Reflexionen für sich zu behalten. Die Moderatorin ging darauf ein, indem sie betonte, dass das Teilen freiwillig sei, und eine unterstützende und nicht wertende Atmosphäre schuf. Die Teilnehmer:innen wurden ermutigt, nur die Teile zu teilen, über die sie gerne sprechen wollten, wie beispielsweise eine einzelne Stärke oder eine unterstützende Person in ihrem Leben. Dieser Ansatz trug dazu bei, Vertrauen innerhalb der Gruppe aufzubauen, und ermöglichte es einigen Teilnehmer:innen, sich im Laufe der Diskussion allmählich offener zu zeigen. Ein wichtiges Ergebnis der Aktivität war die Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls und der gegenseitigen Unterstützung innerhalb der Gruppe. Als die einzelnen Bäume gemeinsam als symbolischer „Wald“ ausgestellt wurden, erkannten die Teilnehmer:innen, wie ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Stärken zu einer gemeinsamen Gruppendynamik beitrugen.
Risiken und Warnhinweise
- Die Aktivität kann emotionale Reaktionen hervorrufen, insbesondere wenn die Teilnehmenden über persönliche Erfahrungen oder Beziehungen nachdenken. Die Moderator:innen sollten sicherstellen, dass das Gruppenumfeld unterstützend, respektvoll und sicher ist.
- Die Teilnahme am Austausch persönlicher Geschichten sollte stets freiwillig bleiben. Die Teilnehmenden sollten nicht unter Druck gesetzt werden, ihren Baum des Lebens zu präsentieren oder persönliche Themen zu besprechen, wenn sie sich dabei nicht wohlfühlen.
- Bei der Arbeit mit jungen Menschen, die schwierige Lebenssituationen erlebt haben, sollten die Moderator:innen sensibel auf die emotionalen Reaktionen der Teilnehmenden eingehen und bereit sein, bei Bedarf zusätzliche Unterstützung zu leisten.
- Die Aktivität sollte nicht als therapeutische Intervention bei Traumata eingesetzt werden. Ihr Zweck ist es, in einem unterstützenden Gruppenumfeld zum Nachdenken, zur Selbsterkenntnis und zum Erkennen eigener Stärken anzuregen.
- Die Moderator:innen sollten sicherstellen, dass die Diskussionen respektvoll bleiben und die Teilnehmenden es vermeiden, die Geschichten oder Erfahrungen anderer zu beurteilen oder zu kritisieren.
Bei der Pilotdurchführung wurde beobachtet, dass einige Teilnehmer:innen trotz der Anleitung zu einer stärkenorientierten Reflexion dazu neigten, sich auf negative Erfahrungen zu konzentrieren. Moderator:innen sollten darauf vorbereitet sein, die Diskussion behutsam in eine andere Richtung zu lenken und gleichzeitig die Gefühle der Teilnehmenden anzuerkennen. Darüber hinaus sollten die Aufmerksamkeitsspanne und die Gruppendynamik sorgfältig gesteuert werden, insbesondere in größeren oder weniger engagierten Gruppen.