„Arme verschränken“ und „Wir sind alle unterschiedlich“

Ziel: Schaffung einer positiven Arbeitsatmosphäre und Förderung flexiblen Denkens; Einführung in die nächsten Aktivitäten.

Behandeltes Thema: Die Tendenz zu starrem Denken bei NEET-Jugendlichen und die Annahme, dass andere die Realität genauso wahrnehmen wie wir selbst.

Bedeutung für die psychische Gesundheit: Starres Denken und mangelnde kognitive Flexibilität können zu Konflikten, zwischenmenschlichem Stress, Schwierigkeiten bei der Anpassung an neue Situationen und emotionalen Blockaden beitragen. Das Bewusstsein für unterschiedliche Perspektiven ist entscheidend für Empathie, Toleranz und emotionale Regulierung.

Beabsichtigte Veränderung: Sensibilisierung für kognitive Inflexibilität, Stärkung der Fähigkeit, unterschiedliche Wahrnehmungen zu akzeptieren, und Förderung der Offenheit, die eigene Perspektive zu ändern, auch wenn dies unangenehm erscheint.

Kontext der Pilotdurchführung

Diese Aktivität wurde im Rahmen einer Pilotmaßnahme durchgeführt, die im Rahmen des MEET-Projekts am Theoretischen Gymnasium „Meșterul Manole“ im Dorf Sălcuța, einem assoziierten Partner der Ion-Creangă-Staatlichen Pädagogischen Universität Chișinău, stattfand. Die Pilotmaßnahme wurde mit zwei unterschiedlichen Schüler:innengruppen durchgeführt. Die jüngere Gruppe bestand aus 10 Burschen und 14 Mädchen der Klassen 5 bis 8 im Alter von 12 bis 14 Jahren. Die ältere Gruppe umfasste 4 Burschen und 14 Mädchen der Klassen 9 bis 12 im Alter von 15 bis 17 Jahren. In beiden Gruppen wurden die Sitzungen von zwei geschulten Moderator:innen geleitet, die derselben Aktivitätsstruktur folgten, dabei jedoch das Tempo und die Tiefe der Reflexion an die altersspezifischen Merkmale der Teilnehmenden anpassten.

Theoretischer Hintergrund

Kognitive Flexibilität bezeichnet die Fähigkeit einer Person, ihr Denken, ihr Verhalten und ihre emotionalen Reaktionen an unterschiedliche Kontexte anzupassen. Im Bereich der psychischen Gesundheit ist sie ein wichtiger Schutzfaktor und steht in Zusammenhang mit Anpassungsfähigkeit, Resilienz und gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen. Menschen glauben oft, dass ihre Sichtweise „natürlich“ oder „richtig“ ist. Diese Annahme kann zu Urteilen, Konflikten oder Widerstand gegen Veränderungen führen. Einfache Erfahrungsübungen, die den Körper einbeziehen, können diese Mechanismen auf sichere und zugängliche Weise sichtbar machen. Das Tool „Change Your Perspective“ nutzt körperbasierte Metaphern (Finger und Arme verschränken), um zu veranschaulichen, dass das, was sich für manche Menschen natürlich anfühlt, für andere unnatürlich sein kann. Durch das direkte Erleben des Unbehagens, das durch die Veränderung einer automatischen Haltung entsteht, können die Teilnehmenden leichter verstehen, wie Perspektivwechsel sowohl auf kognitiver als auch auf emotionaler Ebene funktionieren. Die Übung schafft Raum für die Reflexion über individuelle Unterschiede und verdeutlicht die Notwendigkeit von Offenheit und Empathie.

Zielgruppe

  • Alter: 16–30 Jahre (auch für Erwachsene anpassbar)
  • Profil: Schüler:innen, NEET-Jugendliche, Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen, vielfältige Gruppen (städtisch/ländlich, Minderheiten)
  • Kontext: nicht-formale oder formale Bildungsumgebungen (Bildungsaktivitäten, Workshops, Schulungen)

Anwendungskontext

Ort: Schule, NGO, Jugendzentren, Gemeindezentren usw.

Behandelte Kompetenzarten und -dimensionen:

  • Sozio-emotionale Kompetenzen: Empathie, Toleranz, Akzeptanz von Unterschieden
  • Beziehungsfähigkeiten: offene Kommunikation, weniger Vorurteile
  • Selbstregulierungsfähigkeiten: Unbehagen ertragen
  • Bewusstseinskompetenzen: Bewusstsein für die eigenen automatischen Verhaltensweisen und Perspektiven, kognitive Flexibilität, kritisches Denken

Beschreibung der Aktivität – Schritt für Schritt

Schritt 1: Einführung – „Wir sind alle unterschiedlich“

Dauer: 5 Minuten

Ablauf: Die Teilnehmenden werden gebeten, ihre Hände so ineinander zu verschränken, dass sich ihre Finger ineinander verhaken. Anschließend werden sie aufgefordert, zu beobachten, welcher Daumen oben liegt. Als Nächstes werden die Teilnehmenden gebeten, die Hand zu heben, wenn sie wie die/der Moderator:in den linken Daumen oben hatten (es wird ihnen gesagt, dass sie für diesen Schritt ihre Hände wieder trennen dürfen). Etwa die Hälfte der Teilnehmenden hebt die Hand, unabhängig davon, ob sie Rechts- oder Linkshänder sind. Dann werden die anderen Teilnehmenden gebeten, die Hand zu heben – diejenigen, bei denen der rechte Daumen oben lag. Die/der Moderator:in betont, dass das, was sich für manche Menschen natürlich anfühlt, für andere nicht natürlich ist. Beispielsweise gehen wir oft davon aus, dass andere Menschen die Dinge genauso sehen sollten wie wir, aber durch diese einfache Übung erkennen wir, dass dies nicht immer der Fall ist.


Tabelle 1. Maßnahmen – Schritt 1.

Handlungen der Moderation Handlungen der Teilnehmenden
Bitten Sie die Teilnehmenden, ihre Hände mit ineinander verschränkten Fingern zusammenzulegen. Durchführung der Übung und Beachtung der Unterschiede in der Daumenposition (links oder rechts) zwischen den Teilnehmenden.
Bitten Sie sie, zu beobachten, welcher Daumen oben liegt.
Bitten Sie die Teilnehmenden, die Hand zu heben, je nachdem, welcher Daumen oben liegt.
Weisen Sie auf die annähernd gleichmäßige Verteilung der Daumenpositionen innerhalb der Gruppe hin.

Reflexion: Diese Übung hilft den Teilnehmenden zu erkennen, dass Menschen unterschiedlich sind und dass das, was für manche natürlich ist, für andere unnatürlich sein kann. Sie verdeutlicht auch, wie wichtig es ist, unsere Perspektive ändern zu können – auch wenn es sich unangenehm anfühlt –, um Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Schritt 2: Die Position ändern

Dauer: 3 Minuten

Ablauf: Die/der Moderator:in bittet die Teilnehmenden, die Position ihrer Finger zu ändern (wobei darauf zu achten ist, dass nicht nur der Daumen, sondern auch alle anderen Finger neu positioniert werden). Auf die Frage, wie sie sich jetzt fühlen, antworten die Teilnehmenden typischerweise mit Worten wie: seltsam, unbeholfen oder unangenehm.

Tabelle 2. Maßnahmen – Schritt 2.

Handlungen der Moderation Handlungen der Teilnehmenden
Bitten Sie die Teilnehmenden, die Position ihrer Finger komplett zu ändern (nicht nur der Daumen, sondern alle Finger sollten neu positioniert werden). Änderung der Fingerposition nach Anleitung.
Fragen Sie die Teilnehmenden, wie sie sich nach der Änderung fühlen. Reflexion und Austausch darüber, wie sich die neue Position anfühlt (z. B. seltsam, unbeholfen, unbehaglich).

Reflexion: Diese Übung hilft den Teilnehmern, sich der Vielfalt bewusst zu werden, mit der Menschen dieselbe Lebenssituation erleben, und unterstützt sie dabei, wieder einen „Griff“ auf die Realität zu finden.

Schritt 3: Die Übung „Arme verschränken“

Dauer: 5 Minuten

Ablauf: Nach Abschluss der vorherigen Übung werden die Teilnehmenden gebeten, eine „fortgeschrittenere Version“ auszuprobieren. In dieser Übung sollen sie die Arme verschränken und beobachten, welcher Arm oben liegt. Wie zuvor heben die Teilnehmenden die Hand, je nachdem, welcher Arm oben liegt. Die/der Moderator:in weist darauf hin, dass bei vielen, bei denen in der vorherigen Übung der rechte Daumen oben lag, nun der andere Arm oben liegt. Wie in der vorherigen Übung teilt sich die Gruppe bei jeder Option in etwa die Hälfte auf. Die Teilnehmenden werden dann gebeten, die „vertauschte“ Armhaltung auszuprobieren. Die meisten berichten, dass sich dies „noch seltsamer“ anfühlt als zuvor. Die/der Moderator:in betont erneut, dass das, was sich für manche natürlich anfühlt, für andere gezwungen wirken kann und umgekehrt.

belle 3. Maßnahmen – Schritt 3.


Handlungen der Moderation Handlungen der Teilnehmenden

Bitten Sie die Teilnehmenden, die Arme zu verschränken und zu beobachten, welcher Arm oben liegt.

Einnahme der neuen Armhaltung und Beobachtung des damit verbundenen Unbehagens oder der damit verbundenen Unbeholfenheit.

Heben Sie die Unterschiede zur vorherigen Übung hervor.

Bitten Sie die Teilnehmenden, die Position ihrer Arme zu ändern.

Reflexion: Die Übung dient als Metapher dafür, wie Menschen Dinge auf unterschiedliche Weise wahrnehmen. Manche gehen Dinge vielleicht rationaler und gesünder an, während andere ihre Perspektive auf eine Weise ändern müssen, die sich für sie unangenehm anfühlt, für andere jedoch natürlich ist. Oft gehen wir davon aus, dass andere Dinge genauso filtern wie wir; wir neigen dazu, zu viele Annahmen zu treffen, anstatt unseren Geist zu öffnen. So wie jeder Mensch seine Finger bewegen kann, kann er auch sein eindimensionales Denken ändern, das oft dazu führt, dass Menschen sich festgefahren fühlen.

Schritt 4: Geführte Reflexion

Dauer: 5–7 Minuten

Ablauf: Nach Abschluss der Erfahrungsübungen lädt die/der Moderator:in die Teilnehmenden zu einer angeleiteten Reflexion ein. Der Fokus liegt auf dem Zusammenhang zwischen dem körperlichen Unbehagen, das während der Übungen erlebt wurde, und ähnlichen Situationen im realen Leben, in denen eine Veränderung der kognitiven oder emotionalen Perspektive notwendig, aber schwierig ist. Diese Reflexion findet in einer sicheren, druckfreien Umgebung statt, in der von den Teilnehmenden keine „richtigen“ Antworten erwartet werden.


Tabelle 4. Maßnahmen – Schritt 4.

Handlungen der Moderation Handlungen der Teilnehmenden
Stellen Sie den Teilnehmenden folgende Fragen: Reflexion und Beantwortung der Fragen.
Was fühlte sich natürlich an und was fühlte sich unangenehm an?
Wo begegnen wir ähnlichen Situationen im wirklichen Leben?
Was bedeutet es, unsere Perspektive zu ändern?

Reflexion: Dieser Schritt hilft den Teilnehmenden, die körperliche Erfahrung auf kognitiver und emotionaler Ebene zu verarbeiten, wodurch die Übung zu einer bewusst wahrgenommenen Metapher für das reale Leben wird. Die Teilnehmenden können beobachten, dass ein Perspektivwechsel oft mit Unbehagen, Widerstand oder Verwirrung einhergeht. Dieses Unbehagen ist jedoch kein Zeichen von Gefahr, sondern vielmehr ein Hinweis darauf, dass man aus automatischen Verhaltensweisen ausbricht.

Benötigte Materialien: Es werden keine physischen Materialien benötigt.

Mögliche Anpassungen

Die Reflexion kann in kleinen Gruppen durchgeführt werden, wobei eine vereinfachte Sprache verwendet, das Tempo verlangsamt und mehr Zeit für die Reflexion eingeräumt wird. Es ist wichtig, keinen Druck auf die Teilnehmenden auszuüben, sich zu äußern.

Wirkungsbewertung der Aktivität

Indikator Bewertungsmethode
Bewusstsein für unterschiedliche Perspektiven Mini-Umfrage vor und nach dem Training mit Aussagen wie:
Bereitschaft, das Unbehagen angesichts von Veränderungen zu akzeptieren „Andere Menschen sehen die Dinge anders als ich.“
Offenheit gegenüber unterschiedlichen Meinungen „Ich kann versuchen, meine Perspektive zu ändern.“ (Skala 1–5)
Ein alternatives Feedback könnte lauten: Ein abschließendes Wort dazu, was die Teilnehmenden aus der Übung mitnehmen.

Während der Pilotaktivität beobachtete Reaktionen

Die Reaktionen der Teilnehmenden in dieser Sitzung unterschieden sich leicht zwischen den Altersgruppen und Geschlechtern und lieferten wertvolle Erkenntnisse für die Praktiker. In beiden Gruppen begannen Mädchen im Allgemeinen schneller mit verbaler Reflexion und waren eher bereit, Gefühle in Bezug auf Unbehagen, Unbeholfenheit und Perspektivwechsel zu artikulieren. Burschen, insbesondere in der jüngeren Gruppe, neigten dazu, ihre Reaktionen zunächst durch nonverbale Signale wie Lachen oder Zögern auszudrücken, beteiligten sich aber während der angeleiteten Reflexionsphase allmählich stärker. In der älteren Gruppe zeigten sowohl Burschen als auch Mädchen ein höheres Maß an Selbstbewusstsein und waren in der Lage, die körperliche Erfahrung von Unbehagen expliziter mit realen Lebenssituationen in Verbindung zu bringen, die kognitive oder emotionale Flexibilität erfordern. Insgesamt schuf die Aktivität einen sicheren und einladenden Raum für beide Geschlechter und förderte Offenheit, gegenseitiges Verständnis und einen reflektierenden Dialog.

Risiken und Warnhinweise:

  • Vermeiden Sie es, Teilnehmer:innen lächerlich zu machen.
  • Zwingen Sie niemanden dazu, persönliche Erfahrungen zu teilen.
  • Das Tool befasst sich nicht mit Traumata, sondern konzentriert sich stattdessen auf die Sensibilisierung.
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