Entwicklung emotionaler Selbstwahrnehmung durch Zeichnen:
Die Farbe meiner Stimmung

Ziel: Entwicklung emotionaler Bewusstheit durch Zeichnen.

Behandeltes Thema: Viele junge Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu erkennen und auszudrücken. Sie neigen möglicherweise dazu, ihre Emotionen zu ignorieren oder zu unterdrücken, was zu Stress, Konflikten oder Kommunikationsschwierigkeiten führen kann.

Bedeutung für die psychische Gesundheit: Das Bewusstsein für Emotionen ist ein wesentlicher Schritt für die psychische Gesundheit. Wenn es jungen Menschen gelingt, ihre Emotionen auf gesunde Weise zu erkennen und auszudrücken, entwickeln sie eine bessere Selbsterkenntnis, ausgeglichenere Beziehungen und eine größere Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen.

Beabsichtigte Veränderung: Stärkung der Fähigkeit junger Menschen, ihre eigenen Emotionen zu erkennen, auszudrücken und zu reflektieren, indem Farben und das Zeichnen als Instrumente der Kommunikation und Selbsterkenntnis eingesetzt werden.

Kontext der Pilotdurchführung:

Die Aktivität wurde im Rahmen des MEET-Projekts am Theoretischen Gymnasium „Meșterul Manole“ in der ländlichen Gemeinde Sălcuța in der Republik Moldau durchgeführt, einer Partnerschule der Staatlichen Pädagogischen Universität Ion Creangă in Chișinău. Die Aktivität wurde zweimal mit zwei verschiedenen Gruppen junger Teilnehmer:innen durchgeführt, die unterschiedliche Altersstufen repräsentierten, darunter Schüler:innen der unteren und oberen Sekundarstufe. Beide Sitzungen folgten derselben Aktivitätsstruktur, sodass die Moderator:innen beobachten konnten, wie Teilnehmer:innen unterschiedlichen Alters mit emotionalem Ausdruck und Reflexion umgingen. Die Sitzungen wurden von geschulten Fachkräften moderiert, die das Tempo der Diskussion und die Tiefe der Reflexion an die Entwicklungsmerkmale der jeweiligen Gruppe anpassten. Die Aktivität wurde zudem bei der Association Amica Educa in Bosnien und Herzegowina mit einer Gruppe junger Teilnehmer:innen aus unterschiedlichen sozioökonomischen und bildungsbezogenen Hintergründen pilotiert. Die Aktivität wurde in eine Sitzung zur Entwicklung sozialer Kompetenzen integriert, wobei der Schwerpunkt auf Selbstwahrnehmung und emotionaler Kompetenz lag. Die Aktivität wurde von einem erfahrenen Moderator in einer Gruppe von 15 Teilnehmern (3 M, 12 F) geleitet.

Theoretischer Hintergrund:

Emotionen stellen natürliche Reaktionen auf unsere Lebenserfahrungen dar und spielen eine wichtige Rolle dabei, wie wir denken, handeln und mit anderen umgehen. Für viele junge Menschen kann es jedoch schwierig sein, Emotionen zu erkennen und auszudrücken, insbesondere wenn sie nicht dazu ermutigt wurden, über ihre Gefühle zu sprechen. Kreative Aktivitäten wie das Zeichnen bieten eine sichere und zugängliche Möglichkeit des emotionalen Ausdrucks. Farben, Formen und Symbole können zu einer Sprache werden, durch die die Teilnehmenden ihre inneren Zustände ausdrücken können, ohne den Druck, diese perfekt in Worte fassen zu müssen. Die Übung „Die Farbe meiner Stimmung“ hilft den Teilnehmenden, ihren emotionalen Zustand im gegenwärtigen Moment zu beobachten, ihn durch Zeichnen auszudrücken und in einem sicheren und wertfreien Umfeld darüber zu reflektieren. Die Aktivität trägt zur Entwicklung von Selbsterkenntnis und zur Normalisierung der Vielfalt von Emotionen innerhalb einer Gruppe bei.

Zielgruppe

  • Alter: 16–30 Jahre (auch für Erwachsene anpassbar)
  • Profil: Schüler:innen, NEET-Jugendliche, Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen, vielfältige Gruppen (städtisch/ländlich, Minderheiten)
  • Kontext: nicht-formale oder formale Bildungsumgebungen (Bildungsaktivitäten, Workshops, Schulungen)

Anwendungskontext

Ort: Schule, NGO, Jugendzentren, Gemeindezentren usw.

Behandelte Kompetenzbereiche und Dimensionen:

  • Sozio-emotional: Selbsterkenntnis, Ausdruck von Emotionen, Empathie.
  • Beziehungsbezogen: Verbesserung der emotionalen Kommunikation und Respektieren der Emotionen anderer.
  • Selbstregulierung: Erkennen und Bewältigen emotionaler Zustände.
  • Bewusstsein: Verständnis für den Zusammenhang zwischen Emotionen, Gedanken und Verhaltensweisen.
  • Persönliche Entwicklung: Selbstreflexion, Akzeptanz emotionaler Vielfalt.

Aktivitätsbeschreibung – Schritt für Schritt

Die Farbe der Emotionen zeichnen. Die Teilnehmenden werden eingeladen, über ihren emotionalen Zustand im gegenwärtigen Moment nachzudenken und ihn durch Farben und Formen in einer freien Zeichnung auszudrücken. Künstlerisches Talent ist nicht erforderlich. Der Schwerpunkt liegt auf Ausdruck und Reflexion.

Schritt 1: Einführung – „Wir sind alle unterschiedlich“

Die/der Moderator:in erklärt den Teilnehmenden, dass Emotionen auch durch Farben ausgedrückt werden können, und gibt einige Beispiele: Gelb – Freude, Blau – Ruhe oder Traurigkeit, Rot – Energie oder Wut, Grün – Hoffnung oder Gelassenheit. Sie betont, dass jede Person ihre eigenen Farbassoziationen haben kann.
Die Teilnehmenden hören sich die Erklärungen an und reflektieren ihren emotionalen Zustand in diesem Moment.

Schritt 2: Die Emotion zeichnen

Die/der Moderator:in stellt den Teilnehmenden Papierbögen und Malutensilien zur Verfügung und lädt sie ein, eine Zeichnung zum Thema „Die Farbe meiner heutigen Stimmung“ anzufertigen. Sie/er regt dazu an, Farben, Formen, Linien oder Symbole zu verwenden. Die Teilnehmenden gestalten die Zeichnung mit Farben und Formen, die ihre Emotionen widerspiegeln.

Schritt 3: Galerie der Emotionen

Die/der Moderator:in lädt die Teilnehmenden ein, ihre Zeichnungen an der Wand oder an der Tafel anzubringen und so eine „Galerie der Emotionen“ zu bilden. Die/der Moderator:in fordert sie auf, die Vielfalt der Farben und Ausdrucksformen zu betrachten.
Die Teilnehmer:innen betrachten die Zeichnungen anderer Teilnehmender und beobachten die Unterschiede zwischen den dargestellten Gefühlszuständen.

Schritt 4: Freiwilliger Austausch

Die/der Moderator:in bittet einige Freiwillige, ihre Zeichnung vorzustellen und einige Fragen zu beantworten:

  • Welches Gefühl hast du dargestellt?
  • Warum hast du diese Farben gewählt?
  • Wie hast du dich beim Zeichnen gefühlt?

Die/der Moderator:in sorgt für eine Atmosphäre des Respekts und der Akzeptanz. Die Teilnehmenden beteiligen sich an der Diskussion und teilen freiwillig die Bedeutung ihrer Zeichnung mit.

Schritt 5: Persönliche Reflexion und Gruppendiskussion

Die/der Moderator:in moderiert eine kurze Diskussion:

  • War es einfach oder schwierig, deine Gefühle darzustellen?
  • Was hast du über deinen Gemütszustand entdeckt?
  • Was haben wir über die unterschiedlichen Gefühle der Menschen gelernt?

Die Teilnehmenden reflektieren ihre Erfahrungen und tauschen Ideen oder Schlussfolgerungen aus.

Benötigte Materialien: Papierbögen, Buntstifte, Filzstifte oder Pastellkreiden, Tafel oder Wand zum Aufhängen der Zeichnungen

Mögliche Anpassungen:

  • Kleinere oder größere Gruppen. In großen Gruppen können die Diskussionen in kleinen Teams stattfinden.
  • Andere Altersgruppen. Für jüngere Kinder kann die Aktivität Beispiele für Emotionen und Symbole enthalten.
  • Andere Grade der Gefährdung.
  • Für gefährdete Jugendliche wird empfohlen, den Schwerpunkt auf emotionale Sicherheit zu legen.
  • Die Teilnehmenden sind nicht verpflichtet, ihre Zeichnung zu erklären.
  • Die/der Moderator:in muss für ein einfühlsames und respektvolles Klima sorgen.

Wirkungsbewertung der Aktivität

 
Indikator Bewertungsmethode
Zunahme der Fähigkeit, Emotionen zu erkennen Selbstbewertungsbogen vor oder nach der Aktivität.
Offenheit, Emotionen auf kreative Weise auszudrücken „Ich kann meine Emotionen leichter erkennen.“ Skala von 1 bis 5.
Mündliches Feedback während der Gruppendiskussionen.

Während der Pilotaktivität beobachtete Reaktionen

Die Aktivität löste vielfältige Reaktionen aus, die die emotionale Vielfalt der Teilnehmenden widerspiegelten. In beiden Gruppen gingen viele Schüler:innen neugierig an die Aufgabe heran, obwohl einige zunächst zögerten, als sie aufgefordert wurden, ihre Emotionen durch Farben und Formen darzustellen. Für einige Teilnehmende wirkte die Zeichenphase entspannend und ansprechend, während andere mehr Zeit brauchten, um über ihren emotionalen Zustand nachzudenken, bevor sie begannen. Es wurden Unterschiede zwischen Teilnehmer:innen mit unterschiedlichen emotionalen und psychologischen Profilen beobachtet. Einige junge Menschen drückten ihre Emotionen offen aus und verwendeten eine Vielzahl von Farben und Symbolen, während andere einfachere Zeichnungen bevorzugten und in der Reflexionsphase zurückhaltender waren. Auch zwischen Burschen und Mädchen waren gewisse Unterschiede festzustellen. In vielen Fällen beteiligten sich Mädchen schneller an der reflektierenden Diskussion und waren eher bereit, die Bedeutung ihrer Zeichnungen zu erklären. Burschen reagierten anfangs oft indirekter, manchmal durch Humor oder kurze Kommentare, beteiligten sich aber nach und nach stärker an der Diskussion. Teilnehmende aus der älteren Gruppe neigten dazu, ausführlichere Reflexionen über ihre emotionalen Zustände zu formulieren, während jüngere Teilnehmende ihre Emotionen spontaner durch Farben und visuelle Elemente zum Ausdruck brachten. Im Pilotprojekt in Bosnien und Herzegowina zeigten die Teilnehmenden während der Durchführung der Aktivität eine Bandbreite an Reaktionen, die von anfänglicher Neugier und Zurückhaltung bis hin zu zunehmendem Engagement und emotionaler Reflexion im Verlauf des Prozesses reichte. Während einige Unsicherheit oder Bedenken hinsichtlich ihrer zeichnerischen Fähigkeiten äußerten, wurden viele nach und nach konzentrierter und nutzten Farben und Symbole, um ihre Emotionen darzustellen. Während der Austauschphase zeigten die Teilnehmer unterschiedliche Grade an Offenheit; einige konnten ihre Gefühle artikulieren, während andere zurückhaltender blieben, sich aber dennoch engagierten. Die Aktivität förderte Momente der Einsicht, des emotionalen Bewusstseins und der Empathie unter Gleichaltrigen und trug zu einem Gefühl der Sicherheit und zur Normalisierung vielfältiger emotionaler Erfahrungen bei, wobei je nach Alter und individuellem Hintergrund beobachtbare Unterschiede im Ausdruck und in der Reflexion festzustellen waren.

Risiken und Warnhinweise:

  • Vermeidung von Kritik oder Spott gegenüber Zeichnungen
  • Die Teilnahme an Diskussionen ist freiwillig
  • Die Aktivität zielt nicht darauf ab, Traumata zu analysieren, sondern emotionale Achtsamkeit zu entwickeln
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